mit-mischen

Jetzt ist schon wieder eine neue Literaturzeitschrift auf dem Markt.

Und schon wieder kommt sie aus Graz.

Graz scheint ein besonderes Wasser oder Lüftchen zu haben, dass sich gerade hier literarisch so viel tut: Die Zeitschrift "manuskripte" stammt aus Graz ebenso wie die LICHTUNGEN und eine beachtliche Anzahl von Schriftstellern und Schriftstellerinnen: Clemens J. Setz, Valerie Fritsch, Werner Schwab, Thomas Glavinic, Angelika Reitzer, ..., von den nicht in Graz geborenen, aber dort arbeitenden AutorInnen ganz zu schweigen.

 

Nun also die Zeitschrift "mischen".

Im Januar 2019 ging sie an den Start: Knallrot und mit einer Auflage von 200 Stück, die inzwischen bereits wegverkauft sind. Oben im Bild ist Heft Nr. 2 zu sehen, das am 24. Mai 2019 mit einer Auflage von 300 Stück herausgebracht wurde.

Liebevoll von Hand hergestellte Exemplare, die an frühere Schulhefte im DIN-A5-Format erinnern (aber viel schöner als diese sind), mit farbiger Schrift und Illustrationen.

Zum Eigenen der Konzeption von "mischen" gehört, dass die Texte im Vordergrund stehen und nicht diejenigen, die sie geschrieben haben. Biographische Angaben, Verweise auf bisherige Veröffentlichungen oder Würdigungen (Preise) interessieren nicht. Die Texte werden namenlos präsentiert, nur im Inhaltsverzeichnis hinten im Heft, findet sich eine Zuordnung von AutorInnenname und Text.

Das umtriebige Redaktionsteam wählt aus den Einsendungen aus, was ihm gefällt und sich mit den anderen Texten in ein gutes Mischungsverhältnis bringen lässt. Die geneigte Leserin möge bitte das kleine Manifest - die Mission - des Herausgeberduos hier nachlesen.

Jüngst hat Felix Philipp Ingold in seiner Betrachtung des Literaturbetriebes eine steigende Tendenz zum Personenkult festgestellt, demgegenüber der Text allein immer weniger zu zählen scheint: "Die Präsenz beziehungsweise das repräsentative Image des Autors lenkt tendenziell von den Qualitäten wie von den Mängeln des Werks ab, erschwert dessen objektive Lektüre und Einschätzung, führt letztlich dazu, dass der Text als Produkt dem Verfasser als Produzenten nachgeordnet wird. Von daher rührt denn auch die Hilflosigkeit von Kritikern und Juroren angesichts anonymer Werke: Wer einen Anonymus, eine Anonyma zu begutachten hat, ist allein auf den vorliegenden Text angewiesen, auf das Werk als solches, ein Werk ohne fassbaren Autor und ohne biografischen Kontext." (Neue Zürcher Zeitung vom 11.06.2019)

Genau das muten die "mischen"-MacherInnen einem zu und beweisen damit Mut zum antizyklischen Verhalten und zur produktiven Irritation. Mir gefällt das.

Der "mischen"-Redaktion gefiel ein Text, den ich eingesandt hatte: "WiL,d" heißt er und ist eine kleine Verbeugung vor der Oulipo-Bewegung. Deren Mitglieder favorisieren, Texte primär entlang eines selbstgesetzten Formprinzips zu komponieren. Nicht die Inhaltsebene ist das textentscheidende, sondern die Spielregel, die einerseits einengt, andererseits aber den Blick weitet auf Unerwartetes, nicht abgegriffene Textbausteine.

Zu jeder "mischen" werden Postkarten mit ausgewählten Zitaten aus dem jeweiligen Heft hergestellt.

Ein Zitat aus "WiL,d" war auch dabei (siehe links).

Ob es ausreichen wird, das zugrundeliegende Formprinzip zu erkennen? Hm. Schwierig.

Am besten man bestellt das Heft und liest den ganzen Text.

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