Kein Klagenfurt. Lang lebe Klagenfurt!

Klagenfurt ist nicht nur die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Kärnten, sondern auch die des außergewöhnlichsten Literaturpreisevents im deutschsprachigen Raum. "Klagenfurt" ist ein Synonym für "Bachmannwettbewerb" und "Tage der deutschsprachigen Literatur" (TddL).

Alljährlich Ende Juni/Anfang Juli reisen Literaturbegeisterte an den Wörthersee, um sich, die Literatur und manchmal auch Ingeborg Bachmann fünf Tage lang zu feiern. Diese, seit 1977 bestehende Tradition ist durch die Coronavirus-Pandemie nun unterbrochen. Die Verantwortlichen zogen die Konsequenz und sagten ab. Die Jury zog die Konsequenz und widersprach (mit Ausnahme des Juryvorsitzenden Hubert Winkels und der Jurorin Nora Gomringer). Nein plus Nein ergab ein Ja.

In diesem Jahr wird es eine Digitalversion des Bachmannwettbewerbs geben. Was der ORF und 3Sat in der Zeit vom 17. -21. Juni 2020 live im Fernsehen und online übertragen, ist dies:

  • Die Eröffnung am Mittwoch, dem 17. Juni, ab 19:03. Für uns live im Studio Moderator Christian Ankowitsch und Justiziar Andreas Sourji, der die Ziehung der Lesereihenfolge beaufsichtigen wird. Musikalische Begleitung: Klaus Paier und Asja Valcic. Vielleicht sind auch die zwei Co-Kommentatoren Julya Rabinowich und Heinz Sichrowsky schon mit dabei, die in diesem Jahr live vor Ort mit Christian Ankowitsch das Wettbewerbsgeschehen analysieren und diskutieren werden. Außer diesen 4-6 (plus natürlich die Leute von der Technik) einzigen real Anwesenden sitzen noch Schaufensterpuppen im Studio (Fülle!). Dieses ist trödelmarktmäßig bestückt mit Inventar aus Lebzeiten von Ingeborg Bachmann (Bilder, vgl. unten angegebenen Link) . Die Eröffnungsrede hält (per Aufzeichnung) Sharon Dodua Otoo, Bachmannpreisträgerin 2019, unter dem Titel: "Dürfen Schwarze Blumen Malen?"
  • Die vorab aufgenommenen Lesungen der vierzehn Autorinnen und Autoren, die ihre Texte nicht vor Publikum, sondern in den eigenen  (vielleicht auch fremden?) vier Wänden absolviert haben. Es darf vermutet werden, dass das die Vortragsqualität verbessert - mit Ausnahme natürlich der Lesenden, die unter Adrenalinhöchststand im Livestress vor Publikum erst so richtig gut vortragen.
  • Jurydiskussionen aus sieben verschiedenen Orten. Die Juror*innen sitzen zuhause vor professionellem Aufnahmegerät (das zeitgleich von fern in der Sendezentrale kontrolliert wird) und diskutieren gemeinsam einsam die Texte. Da kann keine dem anderen durch hektisches Dauerwedeln mit dem 3sat Fächer die Ohren kühlen oder mal in die Unterlagen schauen. Der "Hausarrest" der Jury sollte unbedingt zu einer weiteren Kategorie der "Automatischen Literaturkritik" führen: Interieur, Kleiderwahl und Maske der Jurorinnen und Juroren at home, z.B.: Höchstpunktzahl für Joggingmode bzw. oben hui und unterm Schreibtisch Badebuxe und Füße in Wasserschüssel. Dasselbe bei Liveaufnahme z.B. im Bade- oder Schlafzimmer statt der (erwartbaren) Selbstpräsentation vorm fetten Bücherregal (womöglich noch Billy) oder riesigem Schreibtisch (abgeräumter Riesenbuchenesszimmertisch wäre auch zu langweilig).

Ein Überblicksfernsehbeitrag zu den Neuerungen beim Bachmannwettbewerb 2020 ist hier nachzusehen.

 

Ich freu mich drauf. Auf Klagenfurt und das ganze Neue. Vielleicht folgen noch einige Blogbeiträge hier. Auf jeden Fall werde ich aber wieder kräftig mittwittern über die #tddl. Wir lesen uns. Bis dahin!

 

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