"Brockmann lehrt, wie man" ... Schnee kehrt

Übertriebene Höflichkeit ist eine der lästigsten Erscheinungen, wenn es darum geht, Frühschnee zu entsorgen.

 Denn während Sie in guter Manier Rücksicht auf Ihre noch schla­fenden Nachbarn nehmen, rutscht ausgerechnet vor dem Haus, in dem sie als sogenannter Räumpflichtiger wohnen, der Zeitungsbote auf dem zugeschneiten Gehweg aus und erleidet da­bei eine Schä­delprellung mit Kopfplatzwunde, zahlreiche Hautab­schürfungen, eine Trümmerfraktur des linken Ellenbogens, einen Nasenbein­bruch, eine Rippenprellung sowie eine Trümmerfraktur des rechten Sprunggelenks. Statt der Zeitung erhalten Sie fortan Schadenser­satzforderungen. Das Schmerzensgeld wird sich je nach Grad der Folgeschäden auf 20.000 Euro Minimum belaufen. Ihre Nachbarn werden Ihnen nichts dazugeben.

 

Also: raus aus den Puppen! Zu Ihrem eigenen Wohl und dem an­derer Frühaufsteher. Den Langschläfern ringsumher bleibt der Griff zu Ohropax und der fromme Wunsch, sie mögen in jeder Hin­sicht über ein gutes Polster verfügen.

 

Wer gut arbeiten will, braucht gut Licht. Ich rate zu einer kleinen Flutlichtanlage. Für Selbermacher ist das keine große Sache: ein paar Strahler für Halogenmetalldampflampen, ein paar Lampen à 150W, ein paar Masten bzw. Wandhalterungen, ein paar Meter Ka­bel und ein 600VA Generator. Eine kleine Investition, die sich schnell amortisiert hat, wenn Sie die Anlage außerdem noch ganzjährig für nächtliche Ballspiele nutzen. Beschwerden wegen des Generators lassen sich leicht entkräften mit dem Hinweis auf eine Studie der FU Berlin, wonach das Gezwitscher urbaner Nachtigallen den Schallpegel einer Kettensäge aus einem Meter Entfernung (= 95 Dezibel) erreicht. Ihr kleiner Generator schafft lediglich 86 Dezi­bel. Außerdem darf man gegen Vogelgezwitscher nichts sagen, sonst kommen die Naturschützer und malen einem ein blutiges Fluchzeichen an die Tür.

 

Freunde des fachgerechten Schneekehrens bevorzugen eine Schneekehrmaschine. Auch das ist keine große Sache, wenn Sie wie alle vernünftigen Leute über einen Rasentraktor verfügen. Der lässt sich mit dem entsprechenden Zubehör im Handumdrehen in einen phantastischen Schneeräumer umrüsten. Je nach Bedarf kön­nen Sie mit Front- und Seitenbesen kehren, mit dem Vor­satz eines Schneeschildes schieben, mit dem Schneefräse-Zusatzmodul ebenso kinderleicht wie professionell räumen und durch die An­bringung eines Salz- und Kiesstreutrichters auch noch wunderbar gleichmäßig und, ohne sich schmutzig zu machen, Salz, Kies, Sand oder Split ausbringen.

 

Herrlich, wenn Sie zudem noch über eine schützende Dachkabine verfügen. Dann wird der Winterdienst zu einem großen Vergnügen. Muggelig eingehüllt können Sie während des Kehrens Musik hö­ren, ja sogar Ihr Frühstück einnehmen, was keine geringe Zeiter­sparnis bedeutet. Theoretisch könnten Sie, weil es so schön ist, gleich die ganze Straße kehren. Aber das ist eher unwahrscheinlich, weil Sie wie alle vernünftigen Leute den Teufel tun werden, ihren Nachbarn den Schnee wegzuräumen.

 

Wer jedoch mit der Geißel der Technikfeindlichkeit und Kniepig­keit geschlagen ist, der greife zu herkömmlichem Schneeschieber, Besen und Salz- (ach nein, das ist ja verboten, siehe oben „Naturschützer“), m.a.W. Sand,- Kies-, Split- oder Aschesäckchen, kehre mit erfrierenden Händen die Schneemassen gleichmäßig rechts und links des Weges, fege fein säuberlich nach und streue großzügig aus, was sein Säck­chen bereithält. Wer so tickt, der denkt währenddessen an all das Geld, das er durch den Verzicht auf die schönen Arbeitserleichte­rungen spart, redet sich vielleicht noch ein, dass er gerade eine ka­pitale Fitness-Übung vollbringe oder rechnet sich haarklein aus, was er sich im Einzelnen für das eingesparte Geld al­les kaufen könnte: Die SOS-Schmer­zensgeldtabelle prognosti­ziert im Falle einer kompletten Fraktur des linken Unterschenkels, plus Gehirnerschütterung sowie Riß- und Quetschwunden der Kopfhaut einen Schadensersatz in Höhe von ungefähr 2.500 Euro

 

So gesehen, könnte man unter Verzicht auf die technikaffinen In­vestitionen natürlich auch einige Tage schön muggelig im Bett ver­bringen, während es draußen schneit und schneit und schneit.

 

 

 

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