2014

Seit einigen Jahren nehme ich mir am 31. Dezember nicht mehr ir­gendetwas Dolles für die nächsten zwölf Monate vor. Genauge­nommen gar nichts. Nicht nur nichts Dolles.

Alle bisherigen Vorsätze haben sich im Ergebnis mehr oder weni­ger als eine Mischung  aus Damoklesschwert und 60er-Jahre-Kate­chismusunterricht erwiesen. Man strebt nach Besserem und Schö­nerem und  hat im Übereifer die Trauben viel zu hoch ge­hängt: Die Ansprüche und Ziele sind unerreichbar. Das frustriert und macht schlechte Ge­fühle: Neid (warum schaffen es die ande­ren?), Min­derwertigkeitsgefühle und Selbstmitleid (warum immer ich, die scheitert?), Angst vor Krankheit gepaart mit Genussunlust (warum sind Spaßmacher - Wein, gutes Essen, Zigaretten, Couchpotatoe­tum – ungesund?).

Einige Frustrierte mögen sich wie in Äsops Fabel mit der Ant­wort des Fuches helfen, der angesichts der Vergeblichkeit, die Trau­ben zu erreichen, frechweg behauptet: "Eigentlich sind sie mir ja auch viel zu sauer!" Man kann das natürlich so machen. Für uns aufrech­te Perfektionisten ist das selbstredend keine Lösung. Noch dazu, weil wir nicht darüber hinwegsehen können, dass der schlaue Rei­neke als Lügenbold und Bösewicht recht wohl bekannt ist. Dann lieber ganz die Finger weg von den Trauben – außer natür­lich, sie befinden sich im oben genannten Aggregatzustand aus der Spaßma­cherabteilung.

Es gibt Fälle, da haben Menschen am Jahresende die tollsten Ver­besserungen erzielt, obwohl (weil?) sie mit null Vorsätzen ins Jahr gestartet waren. Es handelt sich hierbei zum einen um jene beson­dere Spezies der Glückskinder, die auf der Sonnenseite des Le­bens wohnen, nicht säen, nicht ernten, und trotzdem jeden Mor­gen mit einem zartknusprigen Croissant aufwachen, das der liebe Gott ih­nen kurz zuvor in den Mund gesteckt hat. Zum anderen han­delt es sich um Normalos wie Du und ich, die auch mal einen kleinen Glückstreffer erzielen durften und dann selig mit einem knuffigen Plüschschwein vom Schießbudenstand nach Hause hüp­fen („5!!! Kilo weniger ohne Diät!“, „2 Jahre erfolglos auf Partner­börsen unterwegs und dann läuft mir der Traummann einfach so bei Aldi übern Weg!“).

Soll man sich denn gar nichts mehr für das Neue Jahr vorneh­men? Weit gefehlt! Aber anstatt sich mit knebelnden Absichtserklärun­gen zu umstellen, könnte man den Blick vielleicht auf realis­tische Vorhaben lenken, für die günstigenfalls schon ein paar Rahmenbe­dingungen geschaffen sind, die Halt geben, Konkretion und Moti­vation.

Zwei solcherart Vorhaben, die für mich mit dem Jahr 2014 verbun­den sein werden, verrate ich jetzt und hier:

Im Frühjahr werde ich ein klitzekleines Buch in einem klitzeklei­nen Verlag über eine klitzekleine Insel veröffentlichen! Meine erste literarische Veröffentlichung in Printform, nach dem Tuppek-E-Book (das ganz, ganz eventuell auch in einiger Zeit noch ein ech­tes Druckmäntelchen übergeworfen bekommen könnnte, aber psst, un­gelegtes Ei …). Es ist toll, bei so einem Projekt auf zwei echte Bü­cherliebhaber als Verleger zu treffen, die einfach ihr Ding ma­chen, unkonventionell, mit großer Leidenschaft für gut gestaltete Bücher, mit Lebenslust und Offenheit und dem Mut, sich von Marktdiktaten kaum beeindrucken zu lassen. (Sobald es Neuigkei­ten über das klit­zekleine Buch aus dem Wiener Verlag gibt, werde ich sie hier im Blog bekanntgeben.)

Im Sommer werde ich erstmals zu den Tagen der deutschsprachi­gen Literatur an den Wörthersee fahren. In den vergangenen Jahren habe ich sie stets gemütlich zuhause vom Fernseher aus ver­folgt und kom­mentiert. Nun ist Ortsbegehung angesagt. Literaturbe­triebsausflugwatching live in Klagenfurt gehört zu den Dingen, die ich immer schon mal machen wollte. Am liebsten wäre es mir ja, der ORF lüde mich als eine der vierzehn Teilnehme­rinnen und Teilnehmer zum Wettbewerb um den Bach­mannpreis ein. Aber den Wahrscheinlichkeitsrechner müsste ich erst noch er­finden, der mit allem Schnick und Schnack ermit­telte, ich stünde selbstver­ständlich auf der Einladungsliste. Nun hat der Lieblings­mensch in seiner Eigenschaft als Christkind dafür ge­sorgt, dass ich die ausge­bliebene Einladung auf keinen Fall mehr als Vorwand be­nutzen kann, um mich vor der Fahrt ins sommerhei­ße Klagenfurt zu drücken. Mh. Fahr ich halt ...

Irgendwie scheint mein 2014 ein wenig österreichlastig zu sein. Daschjanding. Darauf eine Sachertorte! Oder doch lieber Kaiser­schmarrn?

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Britta (Donnerstag, 09 Januar 2014 17:33)

    Wie wusste schon der Volksmund?
    Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten !

    Darauf doch einen feinen Marillenschnaps !

  • #2

    Das P. Kind (Donnerstag, 09 Januar 2014 18:52)

    Ist hoch erfreut und gespannt

  • #3

    Atalante (Montag, 20 Januar 2014 09:53)

    Ahoi, ich bin gespannt auf Inselbuch und Seebericht.

Never forget lesson no. 1
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