Bachmannpreis 2017 - Man stelle sich vor

 

 

Im vergangenen Jahr wurde am Wörthersee Geburtstag gefeiert: Vierzig Jahre Bachmannpreis! Das Jubiläum bezog sich auf das  Jahr der Entscheidung, alljährlich in Klagenfurt einen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb zu veranstalten.  Zum ersten Mal ausgetragen wurde der Bewerb dann im darauffolgenden Jahr. Das heißt: Auch 2017 ist ein Jubiläumsjahr!

Und wie anders sah es damals aus ...

Man stelle sich vor:

Statt der zur Zeit vierzehn wurden 1977  insgesamt dreiundzwanzig Autorinnen und Autoren eingeladen. Sie trugen - so wie heute auch - an drei Tagen ihre Texte vor.  Da blieb für Schwimmen, Eiscafébesuche, Radtouren, Sightseeing, Ausschlafen vermutlich kaum Zeit.

Die damalige Jury unter dem Vorsitz von Marcel Reich-Ranicki bestand aus dreizehn Mitgliedern - in der Hauptsache SchriftstellerInnen. Heute zählt die Jury sieben Mitglieder - ausnahmslos LiteraturkriterInnen.

Seit Jahren gehört es zu den Gepflogenheiten des Wettbewerbs, dass die eingeladenen Autorinnen und Autoren sich in kurzen Videoporträts vorstellen. Die Clips werden in der 3sat-Übertragung unmittelbar vor der jeweiligen Lesung gezeigt, können aber großenteils schon jetzt online auf der Autorenseite von bachmannpreis.at angeschaut werden. Wenn alle Porträts eingestellt sind, werde ich, wie in den Vorjahren meine ersten Eindrücke an dieser Stelle wieder zusammenfassen.

Neu in Sachen Vorstellen ist eine kleine Interviewserie unter dem Titel "Abgeklopft", die das in diesem Jahr sozialmedial höchst umtriebige ORF-Team "Bachmannwettbewerb" auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Es will von den AutorInnen wissen, wie sie auf die Nominierung reagiert haben und was sie mit den TDDL verbinden, was sie in den Koffer einpacken und bei der Lesung tragen werden, worauf sie sich freuen und wovor sie sich fürchten, welches Emoji ihre derzeitige Stimmung beschreiben würde und was ihre beste bzw. ungewöhlichste Lesung war. Noch sind nicht alle "abgeklopft". Zum jetztigen Zeitpunkt wissen wir aber bereits soviel:

Urs Mannhart müsste im Juli eigentlich zur Heu- und Mistgabel greifen, statt am Wörthersee zu lesen und im Café zu sitzen. Björn Treber und Karin Peschka sind völlig furchtlos und möchten kein Foto von ihrem Bücherregal machen. Daniel Goetsch wird mit E-Zigarette, Valium, Ritalin und ohne "schwarz-weiß-karierten Anzug" anreisen. Noemi Schneider hat mal in einer Kirche mit sieben-Sekunden-Hall gelesen und "Juchhuuu!" gerufen, als sie von der Nominierung erfuhr. John Wray freut sich auf Blunzennudeln, hat schon einen Koffer in Kärnten, aber leider keine TDDL-Übertragung in Buffalo.

 

(Dieser Beitrag ist in leicht erweiterter Form auf literaturcafe.de nachzulesen.

 

Never forget lesson no. 1
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