Klagenfurt - Am Rande des Geschehens 2

Wenn ich die Sybil Gräfin Schönfeldt der Bachmannpreis-Veran­staltungen wäre, würde ich das Tragen von Socken oder geschlos­se­nen Schuhen (zumal für Herren) auf die Kleiderordnung setzen.

Wenn man mir als Dank für vierzehn Jahre Bachmannpreis-Jury­vor­sitz ein Restbestandsbüchlein von Luigi Umberto Fink über­reicht hätte, wäre ich in Ohnmacht gefallen.

 

Wenn ich den Klagenfurter Literaturwettbewerb organisieren müs­ste, würde ich auf keinen Fall die Autorinnen und Autoren in schlech­teren Hotels unterbringen als die Jurymitglieder (im Notfall eher umgekehrt, schließlich sind die hier Lesenden die Haupt­personen).

 

Wenn ich die Blumensträuße für die Gewinner binden dürfte, würde ich sie kleiner und feiner machen, damit sie im Zug oder Flugzeug mitgenommen werden und die Glücklichen noch tagelang at home erfreuen können.

 

Wenn ich die Jurydiskussionen moderieren würde, wollte ich den Mut haben, dies auch in des Wortes ursprünglichen Sinne zu tun und z.B. steuernd einzugreifen, wenn plötzlich nur noch über Vortragsweisen statt über Inhalte gesprochen wird.

 

Wenn ich die Ausschreibungs-Richtlinien überarbeiten dürfte, würde ich die anonymisierte Bewerbung einführen und das Juroren-Patenschaftsmodell abschaffen.

 

Wenn ich beim offiziellen Teil der Bachmannpreis-Veranstaltung jedem Hans und Franz für Unterstützung danke, würde ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Tagungsbüro, die schon im Vorfeld so hervorragend gearbeitet und zu fast jeder Tages- und Nachtzeit auf Anfragen reagiert haben, nicht vergessen.

 

Wenn ich Ernst Grandits wäre, dächte ich, ich müsste nicht so viele einsame Runden auf Empfängen drehen, bis ich Gesprächspartner finde.

 

Wenn ich für den Bewerb tischlern dürfte, würde ich das Lese­tischchen zum Publikum hin verkleiden, damit die KandidatInnen ihre Beine so verknoten oder hinfläzen können, wie es ihnen behagt (ohne daran denken zu müssen, wie das wohl aussieht).

 

Wenn man jemanden zur Kurz-vor-der-Lesung-in-Panik-geratene-KandidatInnen-Beruhigung bräuchte, würde ich in die Schminkstube eilen und Faxen machen oder Kerzen an oder die Jury schlecht oder ein Fenster auf oder den an sich selbst Zweifelnden etwas vor.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Isabo (Sonntag, 13 Juli 2014 00:41)

    Patenschaftsmodell abschaffen, ja, sofort. Und wenn ich den Sonntag organisieren müsste, würde ich einen Winzer suchen, der ein Glas Sekt für alle sponsert, damit nach der Preisverleihung nicht alle herumstehen wie Falschgeld. Und vielleicht dafür sorgen, dass der Preisträger nicht stehenden Fußes zwölf Interviews am Stück geben muss.

  • #2

    walk-the-line (Sonntag, 13 Juli 2014 09:59)

    So soll es sein!