Jenseits des Großburgwedels - 3

„Jenseits des Protokolls“ enthält weder Fotos noch ein Personen-, Sachwörter- oder Ortsverzeichnis. Auch findet sich kein Untertitel, der uns verraten könnte, mit welchem Genre wir es bei diesem Buch zu tun haben. Ist es ein Roman, ein Protokoll, eine (Auto-) Biographie, eine Tagebuchsammlung? Auf der Buchrückseite ver­steckt sich ein einziger Hinweis: Es ist „ein überaus offenes Buch“.

Es ist aber auch ein sehr modernes Buch: Das „Quellenverzeichnis“ verweist ausnahmslos auf Texte aus dem Internet. Ich habe so et­was noch nie gesehen – weiß aber von diversen Bildungsanstalts­vertretern, dass diese Art und Weise der Quellenarbeit voll im Trend liege.

 

Als eine Art Vor- und Nachwort lassen sich die zwei Texte lesen, die von der Kapitelzählung ausgenommen sind und in denen Frau Wulff ihre Ansichten über Themen wie „mediale Belagerung“, „Vor­urteile“, „Gerüchte“, „Unterlassungsverpflichtungserklärun­gen“, u.ä. erläutert. Die Texte stehen jeweils unter einer Über­schrift, die als Frage des äl­testen Sohnes von Frau Wulff formuliert ist. Die erste Frage lau­tet: „Mama, habt ihr gelogen?“ und wird mit einem „(M)ir fällt es schwer, meinem Sohn die Antworten zu ge­ben, nach denen er ver­langt.“ beantwortet. Die zweite Frage lau­tet: „Mama, arbeitest du eigentlich schon immer als PR-Frau?“ und wird nicht beantwortet.

 

Eingerahmt von diesen beiden Texten erstreckt sich der Hauptteil des Buches über insgesamt 16 Kapitel. Das erste Kapitel heißt „Die Männer“, das zweite „Mein Mann“, das dritte „Das Haus“ – und so geht es wei­ter, Schlag auf Schlag, alle Karten auf den Tisch.

„Die Männer“ von Frau Bettina Körner waren zwischen 4 und 16 Jahre älter als sie, gutaussehend und sportlich, für ein längeres Zu­sammenleben nicht so richtig geeignet, aber dennoch so sympa­thisch, dass sie mit den meisten von ihnen noch heute Kon­takt hat: „Es ist mir wichtig zu wissen, wie es den Menschen geht, die für einen einmal sehr wichtig im Leben gewesen sind, die man geliebt hat.“ Frau Wulff, das sehe ich genauso. Keine Einwände.

 

Beim Lesen des Kapitels „Mein Mann“ habe ich die ganze Zeit ge­dacht, ich sähe eine Fernsehkomödie, in der sich ein etwas stieseli­ger Politiker in eine superaktive und -attraktive alleinerziehende PR-Frau verliebt – natürlich auf den ersten Blick und natürlich in­klusive der üblichen unfreiwilligen Slapstick-Nummer beim ersten Aufeinandertreffen: Der Politiker springt zur Begrüßung auf und stößt sich dabei den Kopf. Haha. (Die ganze Zeit stelle ich mir Ka­roline Eichhorn in der Hauptrolle vor. Aber die würde die Rolle wahrscheinlich nicht annehmen.) Da ich keine Lust auf eine Nach­erzählung dieser Sat1-tauglichen love story habe, destilliere ich hier nun lediglich den reinen Sachverhalt heraus. Fakten. Fakten. Fakten.

 

06.04.2006: Erste Begegnung auf einem Flug nach Südafrika (dort weitere Begegnungen bei gemeinsamen Besuchen des Continental-Reifenwerkes und eines Aids-Projektes in Port Elizabeth)

09.04.2006 erste SMS des Ministerpräsidenten an Frau Körner

11.04.2006 zweite SMS des Ministerpräsidenten an Frau Körner

05.06.2006 Pressemitteilung der einvernehmlichen Trennung der Eheleute Wulff

14.06.2006 erstes öffentliches Auftreten des Paares Wulff/Körner „auf dem Waterlooplatz in Hannover beim Public Viewing des Spiels Deutschland gegen Polen“

01.10.2006 Einzug in die erste gemeinsame Wohnung, Hannover, Spinozastraße

19.03.2008 Hochzeit im Schlosshotel Münchhausen

12.05.2008 Geburt des gemeinsamen Sohnes Linus

So.

Das

muss

für

heute

reichen.



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Never forget lesson no. 1
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