So
19
Mai
2013
Pfingsten
Der heilige Geist schaut recht verdrossen,
heut wird er wieder ausgegossen.
Vor Unmut nahezu schon krank,
wankt tapfer er zum Kleiderschrank.
Den Schutzanzug gilt es zu finden,
- da mag der Sohn noch so viel künden -
doch Nummer 3 packt stets der Schrecken,
wenn Hinz und Kunz sich nach ihm strecken.
Deshalb greift er zum Federkleid,
der Geist ist nämlich sehr gescheid.
Perfekt getarnt als Täuberich,
begibt er Richtung Startplatz sich.
Der Packdienst von der Engelschar,
steht wartend schon mit Tüten da,
die sind mit Zungen vollgefüllt,
wonach der Hinz ist mächtig wild,
und auch für Kunz sind Zungen gut,
damit er besser sprechen tut.
Der Geist stürmt los mit Saus und Braus,
da ist bald jeder aus dem Haus.
Und in der riesgen Menschenmenge
gibt es ein fürchterlichs Gedränge.
Von jetzt auf gleich - man kann es ahnen -
säumt sie schaulustig Autobahnen.
Der Geist, er reißt die Tüten auf,
das bringt die Leut' ekstatisch drauf.
Verzückt, entrückt, es ist sehr schön,
wie alle sich aufmal verstehn.
Und auch am hohen Himmelsthron
haut man sich auf die Bollen schon.
Dort gibt es ebenfalls seit Stunden
gehörig viele Maibock-Runden.
Der Rest der heilgen Trinität
neugierig durch das Fernrohr späht,
und sieht: die Taub' fängt an zu eiern,
im Streß der Hermeneutik-Feiern.
Mit letzter Kraft kriegt sie die Biege
und macht dann schleunigst eine Fliege.
»Pooh, das war knapp« tönt es von oben,
»darob laßt uns den Geist nun loben!«
Herr Jesus Christ sprach diesen Toast,
und alle sagen artig: »Prost!«
Keck giggelt der all-knowing Vater:
»Mensch - das gibt morgen aber'n Kater!!!«
Doris Brockmann
Do
16
Mai
2013
Hier nun folgt der dritte Text meiner Umfrage zum Thema „Klagenfurttauglichkeit“:
Doris Brockmann: Umfrage: Bachmannpreis 2013
„Loneliness is a crowded room“
Wilma Kruk trägt turbanartig gewickelte Tücher auf dem Kopf. Aus den oben offenen Tuchgebinden ragt ein wurstartiger Dutt heraus. Das Ganze hat mich anfangs an eine Pagode erinnert. Inzwischen bin ich mir aber sicher, dass es mehr dem Deckel einer Tajine ähnelt, sowohl in der Form als auch in der Farbe. Der Dutt hat dieses dunkle, leicht rotstichige Braun, das man von oft gebrauchten unglasierten Tajinen kennt. Wieviel Eigenhaar in ihm steckt, vermag ich nicht zu sagen. Es könnte sein, dass es sich um Haarersatz handelt.
Mi
15
Mai
2013
Hier nun folgt der zweite Text meiner Umfrage zum Thema „Klagenfurttauglichkeit“:
Doris Brockmann: Umfrage: Bachmannpreis 2013
Hortlik
Hortlik gehört zu den Menschen, die beim Sprechen Speichelfäden zwischen den Lippen ziehen. Manche Gesprächspartner verlieren deswegen schnell die Fassung, andere hingegen meinen, dass es darauf ankomme, was einer sagt, nicht wie er es sagt.
Di
14
Mai
2013
Vor einiger Zeit habe ich 42 Mal diesen Brief verschickt:
Liebe/r ...
als passionierte Fernsehstudentin der "Tage der deutschsprachigen Literatur" habe ich die KandidatInnenvideos zum Bachmannpreis 2012 in meinem Blog www.walk-the-lines.de vorabbesprochen und an den Twitter-Diskussionen während des laufenden Bewerbs teilgenommen.
Di
30
Apr
2013
Der Zeremonie erster Teil: De Abdicatie
Wer, wie die feierlustige Marijke aus Zwolle, heute morgen um 4.30 Uhr vor dem Amsterdamer Königspalast eintraf, muss sich mit der zweiten Zuschauerreihe zufrieden geben. Ich habe etwas länger geschlafen und sitze nun näher als in Reihe eins am Geschehen - lerne dafür jedoch keine feierlustigen Holländer kennen. Man kann halt nicht alles haben.
Sa
27
Apr
2013
Heute wird Prins Pilsje 46!
Dienstag wird er Koning!
Gute Gründe für ein kräftiges: Hoera, hoera, hoera!
Wir republikanischen Königsbetrachter geraten allmählich in Schwingung.
Sa
20
Apr
2013
Newsticker Literaturkanon*
Nachrichten, die die Welt (nicht) braucht, exklusiv hier, aus dem
Tickt-der-noch-ganz-richtig-Newsticker.
„Sind die denn auch frisch?“
„Unsere News sind sowas von frisch, die ticken wir raus, noch bevor sie passiert sind!“
„Gut, dann geben Sie mir mal so ein Lügenbeutelchen.“
++++ „Die Leiden des jungen Werthers“: Auszubildender in der Justizvollzugsanstalt beklagt, niemand höre auf ihn. +++
Do
11
Apr
2013
Im letzten Sommer sagte der kleine Schornsteinfeger: „Der Kamin, an dem Ihr Ofen hängt, versottet. Den müssen Sie dämmen. Keine große Sache. Könnense auch selber machen.“ Wolltenwa aber nicht selber machen. Wir leiteten die kleine Sache weiter an einen Dachdeckermeisterbetrieb.
Mi
03
Apr
2013
Warum die „Deutschland-und-die-Welt“-Seite der FAZ „Deutschland und die Welt“ heißt, würde ich mir gerne mal von jemandem aus dem zuständigen Ressort erklären lassen. Gehört denn Deutschland nicht zur Welt? Und ist es nicht ein bisschen viel, was da an Erwartungen geschürt wird? Und ist es nicht ein bisschen wenig, dass einem so großen Thema mit so vielen geschürten Erwartungen nur eine einzige Seite eingeräumt wird – während das Ressort „Politik“ über ganze fünf (!) Seiten verfügt (müsste es nicht gerade umgekehrt sein?)
Di
02
Apr
2013
Ich mag, was und wie Jochen Schmidt schreibt. Darum kann ich auch nicht verstehen, warum er bei der Siegerehrung im Rahmen des Bachmannpreises 2007 nicht berücksichtigt wurde. Er hatte eine herrlich schräge und melancholische Weltraumfahrergeschichte präsentiert, die auch der Jury gefallen hatte, dann aber, als es ans Voten ging, unbeachtet blieb. Nun gut. Sein neuer Roman „Schneckenmühle“ straft die Klagenfurter Juroren Lügen. Er ist zum Reinsetzen. Obwohl. Doch dazu später.
Fr
29
Mär
2013
Newstweets für Eierköppe, die um die Ecke denken
++++ Walachei: Kurz vor Ostern hat in Rumänien ein kastriertes männliches Pferd ein Ei gelegt!!! ++++
++++ Eiter: Straßenbauarbeiter vertut sich beim Anmischen des Asphaltbelages. ++++
Mi
27
Mär
2013
Sprache ist schon ein dolles Ding.
Das denken auch die Autoren der Gruppe „Oulipo“. Die versteht sich als eine „Werkstatt für potentielle Literatur“ (L' Ouvroir de Littérature Potentielle – 1960 von den französischen Schriftstellern Raymond Queneau und François Le Lionnais gegründet).
Di
26
Mär
2013
Ein selbstbewusstes Frühstücksei
Ein selbstbewusstes Frühstücksei,
das sprach zu mir von »Schlamperei«
und dass es sowas einfach hasse,
wenn man's im Topfe warten lasse.
Vereinbart wären fünf Minuten,
ich solle mich gefälligst sputen!
Do
21
Mär
2013
Kleines Glaubenbekenntnis
Ich glaube mit dem öffentlichen Interesse am Papst ist es ähnlich wie mit Kochsendungen, „Landlust“ und Königshochzeiten im Fernsehen: Man betrachtet ein Paralleluniversum.
So
24
Feb
2013
Die Agentur Eick hatte zu einem Casting für den Dortmunder „Tatort“ (ein bisschen auch für den aus Köln und Münster) gerufen und 1400 Castingwillige kamen.
Auch ich stand gestern Vormittag ab halb elf vor dem Dortmunder Kino „Schauburg“ und wartete darauf, gecastet zu werden. Ich dachte, so etwas muss man einfach mal gemacht haben. Außerdem gehöre ich seit Jahrzehnten zur Gemeinde der „Tatort“-Kukker.
Fr
22
Feb
2013
NACHTRÄGE
Freitag, 22. Februar 2013 um 08:33 Uhr
Beim Casting im Musikantenstadl,
Herr Silbereisn sah a feschs Madl,
as woit´s hoasse Eisn ned ofassen,
jetzt hoggt´s beim Discounta an da Kassn
und grämt si statt im Stadl im Ladl.
(Liabe Bayern, i weiß, es mua „Ladn“ hoassen - aba da is ja gar ned gemeint! Gemeint ist, was wir aus Schleichwerbungsverbotsgründen auf den Seiten dieses öffentlich-rechtlich einwandfreichen Blogs nicht nennen dürfen.)
Freitag, 22. Februar 2013 um 18:00 Uhr
Do
21
Feb
2013
Unter der Überschrift „Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn“ rief gestern die Frau Bogdan zu einer „Schweinkram-Limerick-Challenge“ in ihrem Blog auf.
Mo
11
Feb
2013
Newsticker Rosenmontag
Nachrichten, die die Welt (nicht) braucht, exklusiv hier, aus dem
Tickt-der-noch-ganz-richtig-Newsticker.
„Sind die denn auch frisch?“
„Unsere News sind sowas von frisch, die ticken wir raus, noch bevor sie passiert sind!“
„Gut, dann geben Sie mir mal so ein Lügenbeutelchen.“
Di
05
Feb
2013
Endlich!!!
Brüderle bricht sein Schweigen!!!
Exklusiv in dieser Vorlesung!
Für mich ist es nicht immer angenehm, 67 Jahre alt zu sein, ein Mann und ein Vollblutpolitiker. Das liegt an den Frauen.
Fr
25
Jan
2013
Liebe Frau Schavan,
ich heiße Jolina Czybulski und gehe in die 10b der Vico-von-Bülow-Gesamtschule in Selfkant-Havert.
Do
17
Jan
2013
Um von A nach B zu kommen, geht Wrobel über C. Der Umweg ist ein Gewölk von Verästelungen und zieht Zeit. Die ist ein kostbares Gut und gehört in die Welt des Luxus´.
Mi
16
Jan
2013
"Es ist immer interessant, Europäer der Stille zu überlassen. Für sie ist sie eine Leere, in der die Spannung steigt und ins Ungewisse wächst."
"Ich habe bei Menschen nie an Kälte geglaubt. An Verkrampfung schon, aber nicht an Kälte. Das Wesen des Lebens ist Wärme. Selbst Hass ist gegen ihre natürliche Richtung gekehrte Wärme."
(Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee: Roman. Übersetzung: Monika Wesemann, Hamburg, 2004)
Ékriture hat zum Mitmachprojekt "50 Shades of Fiction" eingeladen.
Gerne folge ich ihr und starte heute mit einem - tagesmetereologisch höchst aktuellen - Motiv zu Peter Høegs Fräulein Smillas Gespür für Schnee.
Über das Jahr verteilt werden in unregelmäßigen Abständen weitere Fotomotive nebst Zitat oder Kurzkommentar zu den ausgewählten 50 Buchtiteln hier als Blogeintrag erscheinen.
So
06
Jan
2013
Jahresanfang ist die Hochzeit der guten Vorsätze. Neubeginn auf allen Ebenen. Der alte Adam soll abgestreift werden, ein neuer Mensch entstehen, wenn möglich gleich ein ganz ein neuer.
Mi
26
Dez
2012
Was das Bescheren von anderen Gabenübergaben unterscheidet, sind das Datum und das ganze Bohei, das um dieses Datum gemacht wird.
So
16
Dez
2012
Es ist richtig und wichtig, dass ernstzunehmende Zeitungen Partei ergreifen für den guten alten Suhrkamp Verlag. Es ist konsequent, nicht hinnehmen zu wollen, wie jener traditionsreiche literarische Feinkostladen, mit dessen Spezialitäten man intellektuell erwachsen geworden ist, juristisch zerbröselt und den Handlungsgesetzen einer Supermarktkette unterstellt wird. Man kann dies im Tonfall der Entrüstung tun, kämpferisch, ironisch, kritisch-solidarisch, nüchtern oder polemisch – je vielfältiger desto eindrücklicher.
Sa
08
Dez
2012
Übertriebene Höflichkeit ist eine der lästigsten Erscheinungen, wenn es darum geht, Frühschnee zu entsorgen.
So
02
Dez
2012
– Heute sprechen wir über ...
Tock-tock-tock (an der Hörsaaltür)
– Herein, wenn´s kein Schneider ist.
– Guten Tag. Verzeihen Sie bitte die Störung. Mein Zug hatte Verspätung.
– Kommen Sie herein. Nehmen Sie Platz. Sie haben noch nichts verpasst. Unser Zug rollt gerade erst los.
Sa
24
Nov
2012
Neuesten Erkenntnissen zufolge meint der überwiegende Teil der Weltbevölkerung „salbadern“ bedeute, „ein Salzbad nehmen“. Ca. soundsoviel Prozent davon, sind der Überzeugung, es handele sich um ein Bad in Salzsäure, der Begriff stamme aus der Kriminalistik und bezeichne eine effiziente Tötungs- bzw. Leichenentsorgungsart im Sinne des Ideals eines perfekten Verbrechens. Die Befragten gaben an, in den von ihnen gesehenen Fernsehserien über einen Gerichtsmediziner resp. eine Gerichtsmedizinerin mindestens dreimal den Satz „Verdacht auf Salbadern“ bzw. „suspicion of salbadering“ gehört zu haben.
Mi
14
Nov
2012
Sehr geehrter Herr Rammstedt,
you know, I was born in Idar-Oberstein, this sleepy little town of jewels and soldiers. So I´m able zu sprechen Ihre Sprache und zu lesen Ihren Roman Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters.
Sa
10
Nov
2012
„Wer Ohren hat, soll hören, wer Geld hat, soll´s verzehren.“
Also sprach der Dichterfürst und hinterließ uns mit dem Spruch wieder einmal mehr als nur einen donnernden Stammtisch-Zweizeiler. Eine gut geeignete Vorlage, um über Zweckbestimmung, Großzügigkeit, Ignoranz und Geiz erklecklich zu räsonnieren. Das wollen wir aber nicht tun.
Di
30
Okt
2012
Früher war alles besser. Denn einmal nur im Jahr kam ein buntes Trüppchen vorbei, meist kleine lachende Menschen, die etwas verlegen und etwas verwegen sangen: „Bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig!“ Man füllte ihnen ein paar Süßigkeiten in die Taschen, schon liefen sie kichernd davon.
Mo
22
Okt
2012
Bald ist es wieder soweit: Die Bischöfe werden die Sinnentleerung des Weihnachtsfestes beklagen.
Mi
10
Okt
2012
Ja, wir leben in schnellen Zeiten. Und es scheint, sie werden immer schneller. Um das ein wenig verstehen zu können, hat uns Paul Virilio den schönen Ausdruck „Dromologie“ geschenkt. Mithilfe dieses Begriffs, der nicht so sehr mit Dromedaren als vielmehr mit Rennbahnen zu tun hat, können wir erkennen, dass nicht allein Macht, Geld, Klassen, Religionen und sonstwas gesellschaftliche und historische Prozesse vorantreiben, sondern auch und gerade: die Geschwindigkeit.
Do
04
Okt
2012
Herbstzeit ist des Jägers Zeit und auch die des brünftigen Hirschen. Nie habe ich verstanden, dass gerade zu dem Zeitpunkt, wenn der Hirsch in Paarungslaune gerät, die Jagd auf ihn beginnt. Aber egal. Ich bin keine Jägerin und kann also den tieferen Sinn nicht verstehen.
Di
02
Okt
2012
Vorwort
Mein Großvater eröffnete die erste Fahrschule in Paderborn. Ich habe ihn nicht persönlich kennengelernt, denn er starb sehr früh. Ich habe auch nicht das Autofahr-Gen von ihm geerbt, denn ich fahre ungern, langsam und ängstlich.
Mo
24
Sep
2012
Kapitel 16 heißt: „Die Zukunft“. Es ist das letzte und treibt mich zu der Überlegung, ob ich das L lieber groß schreiben sollte.
Sa
22
Sep
2012
Welchen Anteil hat eigentlich Mit-, Co- oder wie-auch-immer-Autorin Nicole Maibaum an dem Bestseller „Jenseits des Protokolls“?
Fr
21
Sep
2012
Am Wochenende geht´s weiter.
Dann kommt das Finale oh-ho-ho-ho!!!
Do
20
Sep
2012
Seit gut einer Woche ist "Jenseits des Protokolls" auf dem Markt. Letzte Nacht gab es die 1000. "Rezension" auf der Amazon-Seite: "wow...bin ich jetzt der 1000. hier? cool...kenn das Buch net - will ich auch net...gähn!“, sagt ein Kai Doelling und vergibt vor lauter Begeisterung gleich fünf Sterne. Aber die machen den Kohl auch nicht fett. Die Gesamtbilanz fällt weiterhin so aus, wie keine Autorin sie gerne hätte.
Mi
19
Sep
2012
Eigenartigerweise folgt das Kapitel über „Die Kinder“ von Frau Wulff nicht im Anschluss an das Kapitel über „Die Beziehung“, dem es inhaltlich entspräche, sondern erst ein Kapitel später, nach dem „Charity“-Kapitel. Ich glaube, der Grund hierfür liegt in dem, was anschließend folgt, und das ist die Auseinandersetzung mit den zentralen Themen, ausgehend von „Die Vorwürfe“ bis hin zu „Der Rücktritt“.
Di
18
Sep
2012
Liebe Empörte, Entrüstete, Lehmschmeißende! Es gibt doch so viele schöne Orte im Internet, wo man sich austauschen kann. Warum nennt ihr es „Kundenrezension“, wenn ihr nur einfach mal über Frau Wulff ablästern wollt? Wo nehmt ihr den Mut her, euch öffentlich zu einem Buch zu äußern, über das ihr frei von Scham hinausposaunt: „Ich habe dieses Buch weder gekauft noch gelesen.“?
Mo
17
Sep
2012
Eile ist geboten. Der (vermeintliche?) Bestseller entpuppt sich mehr und mehr als Shortseller.
So
16
Sep
2012
„Die Freunde“ im Kapitel 6 sind eigentlich „Die Freundinnen“. Denn abgesehen von Andreas („Er und ich sind ein Beispiel dafür, dass Männer und Frauen tatsächlich Freunde sein können.“) erfahren wir in diesem Kapitel ausschließlich etwas über Frau Wulffs beste Freundinnen, Josefine und Stephanie, mit denen sie seit der Schulzeit befreundet ist.
Sa
15
Sep
2012
Gerne wüsste ich, ob im Hause Wulff mal erwogen wurde, dass die Entscheidung von Frau Merkel, Christian Wulff für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen, eine Art Wegloben hätte sein können, ein feiner Schachzug von Frau Merkel, mit dem sie einen ernst zu nehmenden Kanzlerkandidaten rechtzeitig aufs Abstellgleis stellen wollte.
Fr
14
Sep
2012
Bevor es weitergeht im Text, werfen wir einen kurzen Blick in die Ranking-Agentur Amazon (Stand: 8:43 Uhr).
Do
13
Sep
2012
„Jenseits des Protokolls“ enthält weder Fotos noch ein Personen-, Sachwörter- oder Ortsverzeichnis. Auch findet sich kein Untertitel, der uns verraten könnte, mit welchem Genre wir es bei diesem Buch zu tun haben. Ist es ein Roman, ein Protokoll, eine (Auto-) Biographie, eine Tagebuchsammlung? Auf der Buchrückseite versteckt sich ein einziger Hinweis: Es ist „ein überaus offenes Buch“.
Mi
12
Sep
2012
Um 8.45 Uhr hat das Buch „Jenseits des Protokolls“, das heute erscheint, auf der Amazon-Seite bereits 119 Kundenrezensionen und kommt in der Gesamtwertung auf anderthalb Sterne.
Di
11
Sep
2012
Erst sollte es am 9. November erscheinen. Dann wurde seine Veröffentlichung auf den 12. September vorgezogen. Tatsächlich aber konnte man schon letzten Samstag einige Exemplare auf den Büchertischen von Buchhandelskettenfilialen finden. Und heute, am 11. September, sehe ich es bei Amazon bereits mit einer Kundenrezension versehen und dreimal als "gebraucht" im Angebot für 15,99 Euro (statt 19,99 Euro).
So
02
Sep
2012
Sa
25
Aug
2012
Und Tschüss
Der deutsche Melting Pot ist im Laufe der letzten Woche bis zur Unerkennbarkeit geschrumpft. Ich bleibe übrig.
Nein, wir haben uns nicht zerstritten. Alles gut. Nur gilt im Kurverlauf nicht die Maxime, dass die Ersten die Letzten sein werden. Hier hält man sich streng an das Zeitreglement, demzufolge die Ersten die Ersten und die Letzten die Letzten sein werden – wenn´s ans Abreisen geht. Und ich war als Letzte von uns angereist.
Mo
20
Aug
2012
Mitpatienten II
Es gibt Mitpatienten, die stöhnen ständig. Und zwar nicht nur, wenn sie bei trockengymnastischen Übungen neben einem auf der Matte liegen, sondern auch schon bevor die Übungen losgehen, wenn wir draußen im Gang auf unsere Vorturnerin warten.
Fr
17
Aug
2012
Wanne
„Total toll. Ich geh da richtig ab!“ hatte Markus, mein anfänglicher Tischnachbar kurz vor seiner Abreise über die „Aquaschmerz,-stress Therapie“ geschwärmt. Mehr, als dass man mit Kopfhörern im Wasser schwebt und vor lauter Entspannung „richtig abgeht“, war von ihm über diese seltsame Therapie nicht zu erfahren gewesen.
Mo
13
Aug
2012
Mitpatienten I
Ich fürchte, neben mir wohnt eine Frau mit Tourette-Syndrom. Phasenweise ruckelt und klopft es in Zimmer 1224 recht stark, als haue jemand mit Armen und Beinen an die Wand und auf den Boden und alles andere, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist.
Do
09
Aug
2012
Quäker II
Zuerst der Friedhof, dann das Versammlungshaus. Mit dieser ungewöhnlichen Reihenfolge einer Ansiedlung beginnt die Geschichte der Quäker in Bad Pyrmont.
Sa
04
Aug
2012
Quäker I
Quäker kenne ich nur aus Sonntagnachmittagsfilmen. Zum Beispiel aus dem Bürgerkriegsdrama „Lockende Versuchung“ mit Gary Cooper.
Sa
28
Jul
2012
En la piscina
Die Benutzung des Kurklinik-Schwimmbades ist nur mit ärztlicher Erlaubnis möglich und heißt dann „Freies Bewegen/Üben im Schwimmbad“. Wenn ich mit dem Plazet meiner Frau Dr. Krokowski ins Wasserbecken steige, um mich dort frei zu bewegen, stoße ich in neun von zehn Fällen auf folgende Arten von Freibewegern:
Mi
25
Jul
2012
Jugendherberge
Wie die Klebeband-Aktion gelaufen sei, frage ich Anna beim Frühstück. Die winkt ab, weist mit dem Kopf Richtung Fensterseite und sagt: „Die da hinten hat uns verraten. Die hat ihm ´ne SMS geschickt und ihn gewarnt. Wie blöd muss man sein, wenn man keinen Spaß versteht! Aber die ist in den verliebt, obwohl der so eine nette Frau hat. Das geht doch gaar nicht.“
Mo
23
Jul
2012
Tisch und Tonne
Wenn unsere Tischbesatzung komplett angetreten ist, sitzen vier Frauen und zwei Männer am Tisch. Die drei Geschlechtsgenossinnen habe ich erst beim Dinner kennengelernt, da sie, als ich hier mittags an den Start gegangen bin, bereits auf- bzw. fertiggegessen hatten.
So
22
Jul
2012
Alternativen
Die Erstuntersuchung führt eine kleine schwarzhaarige Ärztin durch, die verschmitzt aus blitzenden Äuglein lacht und einen russischen Akzent hat. Ich soll ihr alles über meine Schmerzen undsoweiter undsofort erzählen.
Fr
20
Jul
2012
Hallo
Als ich die Kurklinik betrete, sind sämtliche Gäste beim Mittagessen (und nicht in der Liegekur wie bei Herrn Castorps Eintreffen am Zauberberg). Aus dem links vom Haupteingang liegenden Speisesaal strömt ein Gesurre und Gewimmel auf mich ein. Ganz schön viele Stimmen und Gestalten für eine/n hermit.
Do
19
Jul
2012
Fahrt
Im Unterschied zu der Strecke, die Hans Castorp zurücklegen musste, um zum angezielten Sanatorium zu gelangen, ist meine weder weit noch „geht (es) durch mehrerer Herren Länder, bergauf und bergab.“ Dafür geht es nach gut einer Stunde Fahrt mit der NordWestBahn durch mehrere Dortmunds: DortmundBövinghausen, DortmundLütkendortmundNord, DortmundMarten, DortmundRahm, DortmundHuckardeNord, dass ich mich bald ernsthaft frage, ob wir je ein DortmundHauptbahnhof erreichen werden. Ach, tatsächlich, da ist es ja: Alle Fahrgäste bitte aussteigen, der Zug endet hier.
Mi
18
Jul
2012
Fort - Da
Es gibt solche, die sind im Reisen zuhause, und solche, die sind im Zuhause zuhause. Ich bin irgendwo dazwischen. Auf einer Skala von 1 (Zuhause) bis 10 (Reisen) liege ich ungefähr bei 4-5, vielleicht sogar bei 3-4. Tendenz steigend, d.h. fallend.
Di
17
Jul
2012
Kur – Reha
Ich fahr zur Kur.
Genau genommen tu ich das aber nicht. Denn es heißt nicht mehr Kur, sondern “stationäre Leistung zur medizinischen Rehabilitation“ – so wie Raider jetzt Twix heißt. Und obwohl mich die
versicherungsdeutsch correct Speakers ständig korrigieren, mag ich einfach nicht Reha sagen. Ich bleibe bei Raider!
Vielleicht zeigt sich daran, dass ich tatsächlich älter bin, als ich immer dachte, aber man kann doch nicht jeden neumodischen Quatsch mitmachen.
Di
10
Jul
2012
... hier folgt die Fortsetzung.
In dem Text von Hugo Ramnek kommt zwar kein Hund vor, dafür aber unaufhörlich eine Echse und viel, nach Meinung von Frau Strigl, zu viel symbolisch aufgeladene Sexualität: „Das ist hier der Hund – der innere Hund ist hier die Kellerechse.“
So
08
Jul
2012
Unglaublich, dachte ich und schaute zu Herrn Anton neben mir. Der guckte, als wäre es das Selbstverständliche auf der Welt: „Der Hund von Saloniki“ lautete der Titel von Stefan Mosters Geschichte. Herr Anton drehte sich zur Seite und schnaufte zufrieden. Am Tag zuvor hatte er noch rumgenörgelt: „Wenn wieder keine Hunde vorkommen, klink ich mich aus.“ Und nun kam nicht nur einer im Titel vor, es traten gleich mehrere verschiedene auf.
Sa
07
Jul
2012
Mi
04
Jul
2012
„Also eigentlich mag ich gerne Bier. Ich glaube, weil ich in einer Bierstadt sozialisiert wurde“, sagt Matthias Nawrat zur Begrüßung. Er schaut dabei immer so in die Videokamera, als mache er die Aufnahme in Eigenregie – selpamachen! –, so, als sei das alles hier einfach mal so dahin improvisiert. Er schaut aber auch so, als säße unsereins mit am Tisch, direkt vis-à-vis, oder gar als sei man diese Videokamera.
Mo
02
Jul
2012
„Das ist vielleicht das wichtigste Zimmer“, höre ich Olga Martynova sagen und klatsche in die Hände. So direkt hat sich noch keine(r) der AutorInnen in meinen Themenrahmen „Stube“ eingefügt. Doch es gibt ein Problem: Die anschließenden Aussagen passen irgendwie nicht dazu. Ich schaue mir die Stelle im Videoporträt ein weiteres Mal an. Wieder höre ich „Zimmer“. Hin und her und her und hin: Ich beschließe, nicht „Zimmer“, sondern „Thema“ zu hören. Ja, das passt. Eigentlich schade.
Mi
27
Jun
2012
Japanische Zithermusik, ein japanischer Garten mit kleinen Pavillons (sieht der eine nicht wie ein Teehaus aus?), - was läge für das Videoporträt über den gebürtigen Österreicher Leopold Federmair, der seit zehn Jahren in Japan lebt und schreibt, näher, als ihn im lautlos-beschaulichen Inneren einer Teestube zu zeigen?
Mo
25
Jun
2012
In eine Art bühnenhafte Puppenstube entführt uns die österreichische Theatermacherin Isabella Feimer. Wir sehen Szenen eines (des?) Kammerspiels zwischen einem Mann und einer Frau. Die Szenen sind in schwarz-weiß gefilmt und stumm geschaltet. Nach jeder Szene wird für einen Moment Frau Feimer in Farbe eingeblendet, die jeweils ein Wort sagt, das wie eine Überschrift über der gezeigten Szene stehen könnte.
Fr
22
Jun
2012
„I can see you in the morning when you go to school“, schallt es aus dem Lautsprecher. Man sieht aber niemanden zur Schule gehen, sondern jemanden bereits in der Schulstube stehen. Es ist eine junge Frau, die gerade das Wort „Randnotizen“ an die Tafel schreibt. Als diese Frau geboren wurde, war der „School“-Song von Supertramp schon vierzehn Jahre alt. Die Frau heißt Mirjam Richner und ist die jüngste Teilnehmerin (24) beim diesjährigen Bachmannpreis-Wettbewerb.
Mi
20
Jun
2012
Inger-Maria Mahlke nimmt uns mit auf einen leerstehenden Dachboden. Dort lässt sie campinofarbene Flummis über den Holzboden hüpfen und rollen. Danach wäscht sie die Flummis ausgiebig in Seifenlauge, um sie anschließend so tief wie
Mo
18
Jun
2012
Die Videoporträts der KandidatInnen sind online. Und was fällt auf? Ein Großteil von ihnen hat beruflich mit Übersetzungen oder mit dem Theater (schreibend, inszenierend, unterrichtend) zu tun.
Es fällt aber noch etwas auf: Alle haben in irgendeiner Form mit einer Stube zu tun.
Sa
16
Jun
2012
Hoodies an und ab vor die Rechner!
Wir laufen uns jetzt ein bisschen warm für das Extreme-Zuhöring und -Zuschauing beim großen Klagenfurter Wettlesen. Helfen sollen uns dabei ein paar nüchterne, kalte Zahlen:
Do
14
Jun
2012
Tja, seit dem 15. Mai ist die KandidatInnen-Liste für den Bewerb in Klagenfurt bekannt. Und ich werde schon ganz nervös. Aber nicht wegen des Bewerbs selbst, sondern wegen der ungewohnten Ruhe im Vorfeld.
Sa
09
Jun
2012
Der Trainingstag heute steht ganz im Zeichen von Gelis Abschiedsvorstellung im „Figurella-Ladies-Fit“. Beim letzten Mal hat sie sich tadellos benommen, artig und fehlerfrei die Übungen absolviert und die dargebotenen Tätowierungen ausgesprochen diskret studiert. Darum mache ich mir heute keine großen Sorgen, dass sie durch etwaige Taktlosigkeiten mein Ansehen beschädigen und mich, die ich hier vertragsmäßig noch einige Monate turnen muss, als Ausgestoßene zurücklassen könnte.
Do
31
Mai
2012
Ich lasse mir ungern etwas einreden – am allerungernsten von Frauenzeitschriften. Dass ich den Flyer vom „Figurella-Ladies-Fit“ nicht sofort in die Papiertonne geworfen habe, steht also in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Titelthemen von „Brigitte“, „freundin“, etc., sondern geschah aus freiem Willen. Der hatte mich urplötzlich ermuntert, mir und meinem Körper eine Freude zu machen. Danke freier Wille, sage ich, vielleicht passt dann am Ende sogar noch das lavendelfarbene Leinenkleid, das ich mir letztes Jahr bestellt, aber leider noch nie getragen habe.
Fr
11
Mai
2012
Der Fortsetzungsroman "Ruhestand" ist in die Warteschleife gelegt worden, weil zwei andere "Walk-the-lines-Aktionen" dringlich drängen.
Worum es dabei geht, darf ich noch nicht verraten.
Pssst.
Mo
23
Apr
2012
10. März 2012
Hast du immer noch Rücken? Der Lebensmensch nickt und presst wie zur Bestätigung die Hand auf die Lende. Aber es ist doch Wochenende. Was soll das denn heißen? Na, dass jetzt Ruhe herrscht und kein Stress. Da fragt doch der Hexenschuss nicht nach, der hat kein Wochenende. Ach so, ja dann. Es ist nicht immer alles psychisch, ich habe einen Hexenschuss, einen ganz normalen Hexenschuss. Normal? Ja, normal wie jede andere Krankheit, die kommt und geht und in die man nicht etwas hineingeheimnissen muss.
Mi
11
Apr
2012
9. März 2012
Sie hat die Haare ab, sie hat die Haare ab, sie hat die Haare ab,
sie hat die Haare ab! Olé, olé-olé-olé! Bettina Wulff hat eine neue Frisur – das ist eine der am häufigsten vermeldeten Nachrichten zum Ereignis des gestrigen Zapfenstreiches. Frau Wulff hat sich
den alten Zopf abgeschnitten und tut damit kund, dass sie, was war, hinter sich lässt: Cut! Und auf zu neuen Ufern!
So
08
Apr
2012
Kaffeekränzchen à deux. In Ruhe Geschenke und Glückwunschkarten betrachten. Fröhliche Zufriedenheit mit einem Hauch kaum anzumerkender Enttäuschung. Der türkische Teekuchen erhält 10 Punkte. Fröhliche Zufriedenheit auch auf Seiten der Kuchenbäckerin. Kurz überlege ich, ob ich zur morgendlichen Pullover-Affäre noch etwas Zurechtrückendes anmerken sollte. Nein, besser nicht, denke ich und bin froh, dass der Lebensmensch jemand ist, der Übles nicht nachträgt. Im Gegensatz zu mir. Der Telefonreigen beginnt, der Hund und ich ziehen uns diskret zurück. Er macht die große Gartentour, bei der möglichst jeder Strauch markiert werden muss, und ich packe meine Schwimmsachen zusammen.
Fr
30
Mär
2012
8. März 2012
Geburtstagsständchen. Geschenkübergabe. Wohlgefallen. Und die Sonne scheint dazu. Kleines Frühstück. Albernheiten. Blick auf die Uhr. Ernst des Lebens. Und dann das.
Sa
24
Mär
2012
7. März 2012
Die Ente übt tapfer den aufrechten Gang. Ich schiebe trotzdem nochmal für sie die Garagentür hoch und fahr den Wagen vor. Der Hund rennt mit einem Socken im Maul durch die Küche und schüttelt ihn in Höchstgeschwindigkeit. Ich lass mich von der Machtdemonstration nicht weiter beeindrucken, räume den Frühstückstisch ab und hole mir aus dem Kühlschrank, was ich zum Backen des Geburtstagskuchens brauche. Schon wird die Schüttelei eingestellt, der Hund bezieht Posten vor dem geöffneten Kühlschrank und wartet auf ein Wunder, das Wunder eines plötzlichen Wurst- und Käseregens.
Mi
21
Mär
2012
6. März 2012
Gewappnet mit seinem tiefenwärmenden Rückengürtel watschelt der Pflichtbewusste in den Flur und bindet sich unter leisem Weh- und-Ach-Gestöhn die Schnürsenkel zu. Bemuttern hin oder her, ich schiebe ihm das Garagentor hoch und fahr schon mal den Wagen vor. Das wird wieder, sage ich aufmunternd, als ich der Ente den Schlüssel übergebe. Du hast gut reden, antwortet die Ente und quält sich hinters Lenkrad.
Sa
17
Mär
2012
Der Altkanzler Helmut Schmidt (94) sagt heute in der Bildzeitung, Christian Wulff (52) sei schon als Ministerpräsident von Niedersachsen zu jung gewesen und für das höchste Amt im Staate ganze zehn Jahre zu jung. Ich finde diese Aussage problematisch, weil sie uns Fünfzigjährige, die wir trotz unseres jungen Alters durchaus schon etwas auf die Reihe kriegen, allesamt diskreditiert und diskriminiert. Wäre ich die Bildzeitungsreporterin gewesen, ich hätte dem Nestor der deutschen Nachkriegssozialdemokratie widersprochen. Ich bin aber keine Bildzeitungsreporterin, und als ich mir das sage, durchflutet mich sogleich ein Glücksgefühl. Ein Glücksgefühl, das so stark ist, dass es meinen Ärger über die diskriminierende Aussage fast vollständig wegspült
Do
15
Mär
2012
5. März 2012
Offen gestanden, fällt es mir schwer, die aktuellen Meldungen, Forderungen, Empörungen und Meinungen, die sich am Wochenanfang allein im Internet vor mir auftürmen, wahrzunehmen, geschweige denn auszuwerten. Die Politiker treten, pragmatisch, wie Politiker zu sein haben, mit ganz unterschiedlichen Ehrensold-Lösungsmodellen hervor. Es kommt also etwas Konstruktives in die Debatte als immer nur Wut, Häme, Missgunst und Niedertracht.
Mo
12
Mär
2012
3. März 2012
Heute will ich mich einmal nicht mit der Causa Wulff beschäftigen. Es ist Samstag und der Frühling prescht vor. Nun bloß keine finsteren Gedanken!
So
11
Mär
2012
Als der Lebensmensch vom Tagewerk zurückkommt und Wochenende! ruft, zucke ich zusammen, weil ich ich an Tagewerk, neben ein paar dringenden Haushaltsverrichtungen und dem Schreiben böser Emails betreffs unseres neuen, nach drei Monaten einseitig ausgeleierten Sofas, nicht viel mehr vorzuweisen habe als stundenlanges Internetsurfen in Sachen Wulff.
Sa
10
Mär
2012
Völker hört die Signale, steht über dem Titelfoto der Frühstückszeitung. Kein Kampfruf ans lustige Völkchen der Rentner, Wassergymnastiker und Therapeuten, gegen die Ehrensold-Entscheidung endlich auf die Straße zu gehen, sondern die banale Überschrift zu einem für heute nun gar nicht erwartbaren Thema, wie der Plakatagitation in Nordkorea. Ansonsten nichts zur Meldung des vorgestrigen Tages, nicht mal eine 12-Zeilen-Notiz, auch das Feuilleton schweigt.
Sa
10
Mär
2012
In der Nacht träume ich, ich bin am Meer. Das reetgedeckte Hotel, in dem ich wohne, hat acht Sterne, die mich so einschüchtern, dass ich am liebsten in meiner Suite bleiben möchte. Aber der Hunger treibt mich raus. Am Frühstückbüfett steht eine blonde Frau, die mir aufmunternd zulächelt.
Sa
10
Mär
2012
29. Februar 2012
Aber was ist das schon gegen die Nachricht des Tages, sagt der Lebensmensch und schaut mich erwartungsvoll an, oder hast du das noch gar nicht mitgekriegt?
Was?
Er bekommt den Ehrensold.
Nein.
Fr
09
Mär
2012
29. Februar 2012
Aber was ist das schon gegen die Nachricht des Tages, sagt der Lebensmensch und schaut mich erwartungsvoll an, oder hast du das noch gar nicht mitgekriegt?
So
19
Mai
2013
Pfingsten
Der heilige Geist schaut recht verdrossen,
heut wird er wieder ausgegossen.
Vor Unmut nahezu schon krank,
wankt tapfer er zum Kleiderschrank.
Den Schutzanzug gilt es zu finden,
- da mag der Sohn noch so viel künden -
doch Nummer 3 packt stets der Schrecken,
wenn Hinz und Kunz sich nach ihm strecken.
Deshalb greift er zum Federkleid,
der Geist ist nämlich sehr gescheid.
Perfekt getarnt als Täuberich,
begibt er Richtung Startplatz sich.
Der Packdienst von der Engelschar,
steht wartend schon mit Tüten da,
die sind mit Zungen vollgefüllt,
wonach der Hinz ist mächtig wild,
und auch für Kunz sind Zungen gut,
damit er besser sprechen tut.
Der Geist stürmt los mit Saus und Braus,
da ist bald jeder aus dem Haus.
Und in der riesgen Menschenmenge
gibt es ein fürchterlichs Gedränge.
Von jetzt auf gleich - man kann es ahnen -
säumt sie schaulustig Autobahnen.
Der Geist, er reißt die Tüten auf,
das bringt die Leut' ekstatisch drauf.
Verzückt, entrückt, es ist sehr schön,
wie alle sich aufmal verstehn.
Und auch am hohen Himmelsthron
haut man sich auf die Bollen schon.
Dort gibt es ebenfalls seit Stunden
gehörig viele Maibock-Runden.
Der Rest der heilgen Trinität
neugierig durch das Fernrohr späht,
und sieht: die Taub' fängt an zu eiern,
im Streß der Hermeneutik-Feiern.
Mit letzter Kraft kriegt sie die Biege
und macht dann schleunigst eine Fliege.
»Pooh, das war knapp« tönt es von oben,
»darob laßt uns den Geist nun loben!«
Herr Jesus Christ sprach diesen Toast,
und alle sagen artig: »Prost!«
Keck giggelt der all-knowing Vater:
»Mensch - das gibt morgen aber'n Kater!!!«
Doris Brockmann
Do
16
Mai
2013
Hier nun folgt der dritte Text meiner Umfrage zum Thema „Klagenfurttauglichkeit“:
Doris Brockmann: Umfrage: Bachmannpreis 2013
„Loneliness is a crowded room“
Wilma Kruk trägt turbanartig gewickelte Tücher auf dem Kopf. Aus den oben offenen Tuchgebinden ragt ein wurstartiger Dutt heraus. Das Ganze hat mich anfangs an eine Pagode erinnert. Inzwischen bin ich mir aber sicher, dass es mehr dem Deckel einer Tajine ähnelt, sowohl in der Form als auch in der Farbe. Der Dutt hat dieses dunkle, leicht rotstichige Braun, das man von oft gebrauchten unglasierten Tajinen kennt. Wieviel Eigenhaar in ihm steckt, vermag ich nicht zu sagen. Es könnte sein, dass es sich um Haarersatz handelt.
Mi
15
Mai
2013
Hier nun folgt der zweite Text meiner Umfrage zum Thema „Klagenfurttauglichkeit“:
Doris Brockmann: Umfrage: Bachmannpreis 2013
Hortlik
Hortlik gehört zu den Menschen, die beim Sprechen Speichelfäden zwischen den Lippen ziehen. Manche Gesprächspartner verlieren deswegen schnell die Fassung, andere hingegen meinen, dass es darauf ankomme, was einer sagt, nicht wie er es sagt.
Di
14
Mai
2013
Vor einiger Zeit habe ich 42 Mal diesen Brief verschickt:
Liebe/r ...
als passionierte Fernsehstudentin der "Tage der deutschsprachigen Literatur" habe ich die KandidatInnenvideos zum Bachmannpreis 2012 in meinem Blog www.walk-the-lines.de vorabbesprochen und an den Twitter-Diskussionen während des laufenden Bewerbs teilgenommen.
Di
30
Apr
2013
Der Zeremonie erster Teil: De Abdicatie
Wer, wie die feierlustige Marijke aus Zwolle, heute morgen um 4.30 Uhr vor dem Amsterdamer Königspalast eintraf, muss sich mit der zweiten Zuschauerreihe zufrieden geben. Ich habe etwas länger geschlafen und sitze nun näher als in Reihe eins am Geschehen - lerne dafür jedoch keine feierlustigen Holländer kennen. Man kann halt nicht alles haben.
Sa
27
Apr
2013
Heute wird Prins Pilsje 46!
Dienstag wird er Koning!
Gute Gründe für ein kräftiges: Hoera, hoera, hoera!
Wir republikanischen Königsbetrachter geraten allmählich in Schwingung.
Sa
20
Apr
2013
Newsticker Literaturkanon*
Nachrichten, die die Welt (nicht) braucht, exklusiv hier, aus dem
Tickt-der-noch-ganz-richtig-Newsticker.
„Sind die denn auch frisch?“
„Unsere News sind sowas von frisch, die ticken wir raus, noch bevor sie passiert sind!“
„Gut, dann geben Sie mir mal so ein Lügenbeutelchen.“
++++ „Die Leiden des jungen Werthers“: Auszubildender in der Justizvollzugsanstalt beklagt, niemand höre auf ihn. +++
Do
11
Apr
2013
Im letzten Sommer sagte der kleine Schornsteinfeger: „Der Kamin, an dem Ihr Ofen hängt, versottet. Den müssen Sie dämmen. Keine große Sache. Könnense auch selber machen.“ Wolltenwa aber nicht selber machen. Wir leiteten die kleine Sache weiter an einen Dachdeckermeisterbetrieb.
Mi
03
Apr
2013
Warum die „Deutschland-und-die-Welt“-Seite der FAZ „Deutschland und die Welt“ heißt, würde ich mir gerne mal von jemandem aus dem zuständigen Ressort erklären lassen. Gehört denn Deutschland nicht zur Welt? Und ist es nicht ein bisschen viel, was da an Erwartungen geschürt wird? Und ist es nicht ein bisschen wenig, dass einem so großen Thema mit so vielen geschürten Erwartungen nur eine einzige Seite eingeräumt wird – während das Ressort „Politik“ über ganze fünf (!) Seiten verfügt (müsste es nicht gerade umgekehrt sein?)
Di
02
Apr
2013
Ich mag, was und wie Jochen Schmidt schreibt. Darum kann ich auch nicht verstehen, warum er bei der Siegerehrung im Rahmen des Bachmannpreises 2007 nicht berücksichtigt wurde. Er hatte eine herrlich schräge und melancholische Weltraumfahrergeschichte präsentiert, die auch der Jury gefallen hatte, dann aber, als es ans Voten ging, unbeachtet blieb. Nun gut. Sein neuer Roman „Schneckenmühle“ straft die Klagenfurter Juroren Lügen. Er ist zum Reinsetzen. Obwohl. Doch dazu später.
Fr
29
Mär
2013
Newstweets für Eierköppe, die um die Ecke denken
++++ Walachei: Kurz vor Ostern hat in Rumänien ein kastriertes männliches Pferd ein Ei gelegt!!! ++++
++++ Eiter: Straßenbauarbeiter vertut sich beim Anmischen des Asphaltbelages. ++++
Mi
27
Mär
2013
Sprache ist schon ein dolles Ding.
Das denken auch die Autoren der Gruppe „Oulipo“. Die versteht sich als eine „Werkstatt für potentielle Literatur“ (L' Ouvroir de Littérature Potentielle – 1960 von den französischen Schriftstellern Raymond Queneau und François Le Lionnais gegründet).
Di
26
Mär
2013
Ein selbstbewusstes Frühstücksei
Ein selbstbewusstes Frühstücksei,
das sprach zu mir von »Schlamperei«
und dass es sowas einfach hasse,
wenn man's im Topfe warten lasse.
Vereinbart wären fünf Minuten,
ich solle mich gefälligst sputen!
Do
21
Mär
2013
Kleines Glaubenbekenntnis
Ich glaube mit dem öffentlichen Interesse am Papst ist es ähnlich wie mit Kochsendungen, „Landlust“ und Königshochzeiten im Fernsehen: Man betrachtet ein Paralleluniversum.
So
24
Feb
2013
Die Agentur Eick hatte zu einem Casting für den Dortmunder „Tatort“ (ein bisschen auch für den aus Köln und Münster) gerufen und 1400 Castingwillige kamen.
Auch ich stand gestern Vormittag ab halb elf vor dem Dortmunder Kino „Schauburg“ und wartete darauf, gecastet zu werden. Ich dachte, so etwas muss man einfach mal gemacht haben. Außerdem gehöre ich seit Jahrzehnten zur Gemeinde der „Tatort“-Kukker.
Fr
22
Feb
2013
NACHTRÄGE
Freitag, 22. Februar 2013 um 08:33 Uhr
Beim Casting im Musikantenstadl,
Herr Silbereisn sah a feschs Madl,
as woit´s hoasse Eisn ned ofassen,
jetzt hoggt´s beim Discounta an da Kassn
und grämt si statt im Stadl im Ladl.
(Liabe Bayern, i weiß, es mua „Ladn“ hoassen - aba da is ja gar ned gemeint! Gemeint ist, was wir aus Schleichwerbungsverbotsgründen auf den Seiten dieses öffentlich-rechtlich einwandfreichen Blogs nicht nennen dürfen.)
Freitag, 22. Februar 2013 um 18:00 Uhr
Zu Bayreuth Frau Salomé dachte,
die Peitsche, die Nietzsche mir brachte,
die probier ich jetzt aus,
Richard komm da mal raus,
koa Angst, ich schlag Dich nur ganz sachte.
Do
21
Feb
2013
Unter der Überschrift „Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn“ rief gestern die Frau Bogdan zu einer „Schweinkram-Limerick-Challenge“ in ihrem Blog auf.
Mo
11
Feb
2013
Newsticker Rosenmontag
Nachrichten, die die Welt (nicht) braucht, exklusiv hier, aus dem
Tickt-der-noch-ganz-richtig-Newsticker.
„Sind die denn auch frisch?“
„Unsere News sind sowas von frisch, die ticken wir raus, noch bevor sie passiert sind!“
„Gut, dann geben Sie mir mal so ein Lügenbeutelchen.“
Di
05
Feb
2013
Endlich!!!
Brüderle bricht sein Schweigen!!!
Exklusiv in dieser Vorlesung!
Für mich ist es nicht immer angenehm, 67 Jahre alt zu sein, ein Mann und ein Vollblutpolitiker. Das liegt an den Frauen.
Fr
25
Jan
2013
Liebe Frau Schavan,
ich heiße Jolina Czybulski und gehe in die 10b der Vico-von-Bülow-Gesamtschule in Selfkant-Havert.
Do
17
Jan
2013
Um von A nach B zu kommen, geht Wrobel über C. Der Umweg ist ein Gewölk von Verästelungen und zieht Zeit. Die ist ein kostbares Gut und gehört in die Welt des Luxus´.
Mi
16
Jan
2013
"Es ist immer interessant, Europäer der Stille zu überlassen. Für sie ist sie eine Leere, in der die Spannung steigt und ins Ungewisse wächst."
"Ich habe bei Menschen nie an Kälte geglaubt. An Verkrampfung schon, aber nicht an Kälte. Das Wesen des Lebens ist Wärme. Selbst Hass ist gegen ihre natürliche Richtung gekehrte Wärme."
(Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee: Roman. Übersetzung: Monika Wesemann, Hamburg, 2004)
Ékriture hat zum Mitmachprojekt "50 Shades of Fiction" eingeladen.
Gerne folge ich ihr und starte heute mit einem - tagesmetereologisch höchst aktuellen - Motiv zu Peter Høegs Fräulein Smillas Gespür für Schnee.
Über das Jahr verteilt werden in unregelmäßigen Abständen weitere Fotomotive nebst Zitat oder Kurzkommentar zu den ausgewählten 50 Buchtiteln hier als Blogeintrag erscheinen.
So
06
Jan
2013
Jahresanfang ist die Hochzeit der guten Vorsätze. Neubeginn auf allen Ebenen. Der alte Adam soll abgestreift werden, ein neuer Mensch entstehen, wenn möglich gleich ein ganz ein neuer.
Mi
26
Dez
2012
Was das Bescheren von anderen Gabenübergaben unterscheidet, sind das Datum und das ganze Bohei, das um dieses Datum gemacht wird.
So
16
Dez
2012
Es ist richtig und wichtig, dass ernstzunehmende Zeitungen Partei ergreifen für den guten alten Suhrkamp Verlag. Es ist konsequent, nicht hinnehmen zu wollen, wie jener traditionsreiche literarische Feinkostladen, mit dessen Spezialitäten man intellektuell erwachsen geworden ist, juristisch zerbröselt und den Handlungsgesetzen einer Supermarktkette unterstellt wird. Man kann dies im Tonfall der Entrüstung tun, kämpferisch, ironisch, kritisch-solidarisch, nüchtern oder polemisch – je vielfältiger desto eindrücklicher.
Sa
08
Dez
2012
Übertriebene Höflichkeit ist eine der lästigsten Erscheinungen, wenn es darum geht, Frühschnee zu entsorgen.
So
02
Dez
2012
– Heute sprechen wir über ...
Tock-tock-tock (an der Hörsaaltür)
– Herein, wenn´s kein Schneider ist.
– Guten Tag. Verzeihen Sie bitte die Störung. Mein Zug hatte Verspätung.
– Kommen Sie herein. Nehmen Sie Platz. Sie haben noch nichts verpasst. Unser Zug rollt gerade erst los.
Sa
24
Nov
2012
Neuesten Erkenntnissen zufolge meint der überwiegende Teil der Weltbevölkerung „salbadern“ bedeute, „ein Salzbad nehmen“. Ca. soundsoviel Prozent davon, sind der Überzeugung, es handele sich um ein Bad in Salzsäure, der Begriff stamme aus der Kriminalistik und bezeichne eine effiziente Tötungs- bzw. Leichenentsorgungsart im Sinne des Ideals eines perfekten Verbrechens. Die Befragten gaben an, in den von ihnen gesehenen Fernsehserien über einen Gerichtsmediziner resp. eine Gerichtsmedizinerin mindestens dreimal den Satz „Verdacht auf Salbadern“ bzw. „suspicion of salbadering“ gehört zu haben.
Mi
14
Nov
2012
Sehr geehrter Herr Rammstedt,
you know, I was born in Idar-Oberstein, this sleepy little town of jewels and soldiers. So I´m able zu sprechen Ihre Sprache und zu lesen Ihren Roman Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters.
Sa
10
Nov
2012
„Wer Ohren hat, soll hören, wer Geld hat, soll´s verzehren.“
Also sprach der Dichterfürst und hinterließ uns mit dem Spruch wieder einmal mehr als nur einen donnernden Stammtisch-Zweizeiler. Eine gut geeignete Vorlage, um über Zweckbestimmung, Großzügigkeit, Ignoranz und Geiz erklecklich zu räsonnieren. Das wollen wir aber nicht tun.
Di
30
Okt
2012
Früher war alles besser. Denn einmal nur im Jahr kam ein buntes Trüppchen vorbei, meist kleine lachende Menschen, die etwas verlegen und etwas verwegen sangen: „Bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig!“ Man füllte ihnen ein paar Süßigkeiten in die Taschen, schon liefen sie kichernd davon.
Mo
22
Okt
2012
Bald ist es wieder soweit: Die Bischöfe werden die Sinnentleerung des Weihnachtsfestes beklagen.
Mi
10
Okt
2012
Ja, wir leben in schnellen Zeiten. Und es scheint, sie werden immer schneller. Um das ein wenig verstehen zu können, hat uns Paul Virilio den schönen Ausdruck „Dromologie“ geschenkt. Mithilfe dieses Begriffs, der nicht so sehr mit Dromedaren als vielmehr mit Rennbahnen zu tun hat, können wir erkennen, dass nicht allein Macht, Geld, Klassen, Religionen und sonstwas gesellschaftliche und historische Prozesse vorantreiben, sondern auch und gerade: die Geschwindigkeit.
Do
04
Okt
2012
Herbstzeit ist des Jägers Zeit und auch die des brünftigen Hirschen. Nie habe ich verstanden, dass gerade zu dem Zeitpunkt, wenn der Hirsch in Paarungslaune gerät, die Jagd auf ihn beginnt. Aber egal. Ich bin keine Jägerin und kann also den tieferen Sinn nicht verstehen.
Di
02
Okt
2012
Vorwort
Mein Großvater eröffnete die erste Fahrschule in Paderborn. Ich habe ihn nicht persönlich kennengelernt, denn er starb sehr früh. Ich habe auch nicht das Autofahr-Gen von ihm geerbt, denn ich fahre ungern, langsam und ängstlich.
Mo
24
Sep
2012
Kapitel 16 heißt: „Die Zukunft“. Es ist das letzte und treibt mich zu der Überlegung, ob ich das L lieber groß schreiben sollte.
Sa
22
Sep
2012
Welchen Anteil hat eigentlich Mit-, Co- oder wie-auch-immer-Autorin Nicole Maibaum an dem Bestseller „Jenseits des Protokolls“?
Fr
21
Sep
2012
Am Wochenende geht´s weiter.
Dann kommt das Finale oh-ho-ho-ho!!!
Do
20
Sep
2012
Seit gut einer Woche ist "Jenseits des Protokolls" auf dem Markt. Letzte Nacht gab es die 1000. "Rezension" auf der Amazon-Seite: "wow...bin ich jetzt der 1000. hier? cool...kenn das Buch net - will ich auch net...gähn!“, sagt ein Kai Doelling und vergibt vor lauter Begeisterung gleich fünf Sterne. Aber die machen den Kohl auch nicht fett. Die Gesamtbilanz fällt weiterhin so aus, wie keine Autorin sie gerne hätte.
Mi
19
Sep
2012
Eigenartigerweise folgt das Kapitel über „Die Kinder“ von Frau Wulff nicht im Anschluss an das Kapitel über „Die Beziehung“, dem es inhaltlich entspräche, sondern erst ein Kapitel später, nach dem „Charity“-Kapitel. Ich glaube, der Grund hierfür liegt in dem, was anschließend folgt, und das ist die Auseinandersetzung mit den zentralen Themen, ausgehend von „Die Vorwürfe“ bis hin zu „Der Rücktritt“.
Di
18
Sep
2012
Liebe Empörte, Entrüstete, Lehmschmeißende! Es gibt doch so viele schöne Orte im Internet, wo man sich austauschen kann. Warum nennt ihr es „Kundenrezension“, wenn ihr nur einfach mal über Frau Wulff ablästern wollt? Wo nehmt ihr den Mut her, euch öffentlich zu einem Buch zu äußern, über das ihr frei von Scham hinausposaunt: „Ich habe dieses Buch weder gekauft noch gelesen.“?
Mo
17
Sep
2012
Eile ist geboten. Der (vermeintliche?) Bestseller entpuppt sich mehr und mehr als Shortseller.
So
16
Sep
2012
„Die Freunde“ im Kapitel 6 sind eigentlich „Die Freundinnen“. Denn abgesehen von Andreas („Er und ich sind ein Beispiel dafür, dass Männer und Frauen tatsächlich Freunde sein können.“) erfahren wir in diesem Kapitel ausschließlich etwas über Frau Wulffs beste Freundinnen, Josefine und Stephanie, mit denen sie seit der Schulzeit befreundet ist.
Sa
15
Sep
2012
Gerne wüsste ich, ob im Hause Wulff mal erwogen wurde, dass die Entscheidung von Frau Merkel, Christian Wulff für das Amt des Bundespräsidenten vorzuschlagen, eine Art Wegloben hätte sein können, ein feiner Schachzug von Frau Merkel, mit dem sie einen ernst zu nehmenden Kanzlerkandidaten rechtzeitig aufs Abstellgleis stellen wollte.
Fr
14
Sep
2012
Bevor es weitergeht im Text, werfen wir einen kurzen Blick in die Ranking-Agentur Amazon (Stand: 8:43 Uhr).
Do
13
Sep
2012
„Jenseits des Protokolls“ enthält weder Fotos noch ein Personen-, Sachwörter- oder Ortsverzeichnis. Auch findet sich kein Untertitel, der uns verraten könnte, mit welchem Genre wir es bei diesem Buch zu tun haben. Ist es ein Roman, ein Protokoll, eine (Auto-) Biographie, eine Tagebuchsammlung? Auf der Buchrückseite versteckt sich ein einziger Hinweis: Es ist „ein überaus offenes Buch“.
Mi
12
Sep
2012
Um 8.45 Uhr hat das Buch „Jenseits des Protokolls“, das heute erscheint, auf der Amazon-Seite bereits 119 Kundenrezensionen und kommt in der Gesamtwertung auf anderthalb Sterne.
Di
11
Sep
2012
Erst sollte es am 9. November erscheinen. Dann wurde seine Veröffentlichung auf den 12. September vorgezogen. Tatsächlich aber konnte man schon letzten Samstag einige Exemplare auf den Büchertischen von Buchhandelskettenfilialen finden. Und heute, am 11. September, sehe ich es bei Amazon bereits mit einer Kundenrezension versehen und dreimal als "gebraucht" im Angebot für 15,99 Euro (statt 19,99 Euro).
So
02
Sep
2012
Sa
25
Aug
2012
Und Tschüss
Der deutsche Melting Pot ist im Laufe der letzten Woche bis zur Unerkennbarkeit geschrumpft. Ich bleibe übrig.
Nein, wir haben uns nicht zerstritten. Alles gut. Nur gilt im Kurverlauf nicht die Maxime, dass die Ersten die Letzten sein werden. Hier hält man sich streng an das Zeitreglement, demzufolge die Ersten die Ersten und die Letzten die Letzten sein werden – wenn´s ans Abreisen geht. Und ich war als Letzte von uns angereist.
Mo
20
Aug
2012
Mitpatienten II
Es gibt Mitpatienten, die stöhnen ständig. Und zwar nicht nur, wenn sie bei trockengymnastischen Übungen neben einem auf der Matte liegen, sondern auch schon bevor die Übungen losgehen, wenn wir draußen im Gang auf unsere Vorturnerin warten.
Fr
17
Aug
2012
Wanne
„Total toll. Ich geh da richtig ab!“ hatte Markus, mein anfänglicher Tischnachbar kurz vor seiner Abreise über die „Aquaschmerz,-stress Therapie“ geschwärmt. Mehr, als dass man mit Kopfhörern im Wasser schwebt und vor lauter Entspannung „richtig abgeht“, war von ihm über diese seltsame Therapie nicht zu erfahren gewesen.
Mo
13
Aug
2012
Mitpatienten I
Ich fürchte, neben mir wohnt eine Frau mit Tourette-Syndrom. Phasenweise ruckelt und klopft es in Zimmer 1224 recht stark, als haue jemand mit Armen und Beinen an die Wand und auf den Boden und alles andere, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist.
Do
09
Aug
2012
Quäker II
Zuerst der Friedhof, dann das Versammlungshaus. Mit dieser ungewöhnlichen Reihenfolge einer Ansiedlung beginnt die Geschichte der Quäker in Bad Pyrmont.
Sa
04
Aug
2012
Quäker I
Quäker kenne ich nur aus Sonntagnachmittagsfilmen. Zum Beispiel aus dem Bürgerkriegsdrama „Lockende Versuchung“ mit Gary Cooper.
Sa
28
Jul
2012
En la piscina
Die Benutzung des Kurklinik-Schwimmbades ist nur mit ärztlicher Erlaubnis möglich und heißt dann „Freies Bewegen/Üben im Schwimmbad“. Wenn ich mit dem Plazet meiner Frau Dr. Krokowski ins Wasserbecken steige, um mich dort frei zu bewegen, stoße ich in neun von zehn Fällen auf folgende Arten von Freibewegern:
Mi
25
Jul
2012
Jugendherberge
Wie die Klebeband-Aktion gelaufen sei, frage ich Anna beim Frühstück. Die winkt ab, weist mit dem Kopf Richtung Fensterseite und sagt: „Die da hinten hat uns verraten. Die hat ihm ´ne SMS geschickt und ihn gewarnt. Wie blöd muss man sein, wenn man keinen Spaß versteht! Aber die ist in den verliebt, obwohl der so eine nette Frau hat. Das geht doch gaar nicht.“
Mo
23
Jul
2012
Tisch und Tonne
Wenn unsere Tischbesatzung komplett angetreten ist, sitzen vier Frauen und zwei Männer am Tisch. Die drei Geschlechtsgenossinnen habe ich erst beim Dinner kennengelernt, da sie, als ich hier mittags an den Start gegangen bin, bereits auf- bzw. fertiggegessen hatten.
So
22
Jul
2012
Alternativen
Die Erstuntersuchung führt eine kleine schwarzhaarige Ärztin durch, die verschmitzt aus blitzenden Äuglein lacht und einen russischen Akzent hat. Ich soll ihr alles über meine Schmerzen undsoweiter undsofort erzählen.
Fr
20
Jul
2012
Hallo
Als ich die Kurklinik betrete, sind sämtliche Gäste beim Mittagessen (und nicht in der Liegekur wie bei Herrn Castorps Eintreffen am Zauberberg). Aus dem links vom Haupteingang liegenden Speisesaal strömt ein Gesurre und Gewimmel auf mich ein. Ganz schön viele Stimmen und Gestalten für eine/n hermit.
Do
19
Jul
2012
Fahrt
Im Unterschied zu der Strecke, die Hans Castorp zurücklegen musste, um zum angezielten Sanatorium zu gelangen, ist meine weder weit noch „geht (es) durch mehrerer Herren Länder, bergauf und bergab.“ Dafür geht es nach gut einer Stunde Fahrt mit der NordWestBahn durch mehrere Dortmunds: DortmundBövinghausen, DortmundLütkendortmundNord, DortmundMarten, DortmundRahm, DortmundHuckardeNord, dass ich mich bald ernsthaft frage, ob wir je ein DortmundHauptbahnhof erreichen werden. Ach, tatsächlich, da ist es ja: Alle Fahrgäste bitte aussteigen, der Zug endet hier.
Mi
18
Jul
2012
Fort - Da
Es gibt solche, die sind im Reisen zuhause, und solche, die sind im Zuhause zuhause. Ich bin irgendwo dazwischen. Auf einer Skala von 1 (Zuhause) bis 10 (Reisen) liege ich ungefähr bei 4-5, vielleicht sogar bei 3-4. Tendenz steigend, d.h. fallend.
Di
17
Jul
2012
Kur – Reha
Ich fahr zur Kur.
Genau genommen tu ich das aber nicht. Denn es heißt nicht mehr Kur, sondern “stationäre Leistung zur medizinischen Rehabilitation“ – so wie Raider jetzt Twix heißt. Und obwohl mich die
versicherungsdeutsch correct Speakers ständig korrigieren, mag ich einfach nicht Reha sagen. Ich bleibe bei Raider!
Vielleicht zeigt sich daran, dass ich tatsächlich älter bin, als ich immer dachte, aber man kann doch nicht jeden neumodischen Quatsch mitmachen.
Di
10
Jul
2012
... hier folgt die Fortsetzung.
In dem Text von Hugo Ramnek kommt zwar kein Hund vor, dafür aber unaufhörlich eine Echse und viel, nach Meinung von Frau Strigl, zu viel symbolisch aufgeladene Sexualität: „Das ist hier der Hund – der innere Hund ist hier die Kellerechse.“
So
08
Jul
2012
Unglaublich, dachte ich und schaute zu Herrn Anton neben mir. Der guckte, als wäre es das Selbstverständliche auf der Welt: „Der Hund von Saloniki“ lautete der Titel von Stefan Mosters Geschichte. Herr Anton drehte sich zur Seite und schnaufte zufrieden. Am Tag zuvor hatte er noch rumgenörgelt: „Wenn wieder keine Hunde vorkommen, klink ich mich aus.“ Und nun kam nicht nur einer im Titel vor, es traten gleich mehrere verschiedene auf.
Sa
07
Jul
2012
Mi
04
Jul
2012
„Also eigentlich mag ich gerne Bier. Ich glaube, weil ich in einer Bierstadt sozialisiert wurde“, sagt Matthias Nawrat zur Begrüßung. Er schaut dabei immer so in die Videokamera, als mache er die Aufnahme in Eigenregie – selpamachen! –, so, als sei das alles hier einfach mal so dahin improvisiert. Er schaut aber auch so, als säße unsereins mit am Tisch, direkt vis-à-vis, oder gar als sei man diese Videokamera.
Mo
02
Jul
2012
„Das ist vielleicht das wichtigste Zimmer“, höre ich Olga Martynova sagen und klatsche in die Hände. So direkt hat sich noch keine(r) der AutorInnen in meinen Themenrahmen „Stube“ eingefügt. Doch es gibt ein Problem: Die anschließenden Aussagen passen irgendwie nicht dazu. Ich schaue mir die Stelle im Videoporträt ein weiteres Mal an. Wieder höre ich „Zimmer“. Hin und her und her und hin: Ich beschließe, nicht „Zimmer“, sondern „Thema“ zu hören. Ja, das passt. Eigentlich schade.
Mi
27
Jun
2012
Japanische Zithermusik, ein japanischer Garten mit kleinen Pavillons (sieht der eine nicht wie ein Teehaus aus?), - was läge für das Videoporträt über den gebürtigen Österreicher Leopold Federmair, der seit zehn Jahren in Japan lebt und schreibt, näher, als ihn im lautlos-beschaulichen Inneren einer Teestube zu zeigen?
Mo
25
Jun
2012
In eine Art bühnenhafte Puppenstube entführt uns die österreichische Theatermacherin Isabella Feimer. Wir sehen Szenen eines (des?) Kammerspiels zwischen einem Mann und einer Frau. Die Szenen sind in schwarz-weiß gefilmt und stumm geschaltet. Nach jeder Szene wird für einen Moment Frau Feimer in Farbe eingeblendet, die jeweils ein Wort sagt, das wie eine Überschrift über der gezeigten Szene stehen könnte.
Fr
22
Jun
2012
„I can see you in the morning when you go to school“, schallt es aus dem Lautsprecher. Man sieht aber niemanden zur Schule gehen, sondern jemanden bereits in der Schulstube stehen. Es ist eine junge Frau, die gerade das Wort „Randnotizen“ an die Tafel schreibt. Als diese Frau geboren wurde, war der „School“-Song von Supertramp schon vierzehn Jahre alt. Die Frau heißt Mirjam Richner und ist die jüngste Teilnehmerin (24) beim diesjährigen Bachmannpreis-Wettbewerb.
Mi
20
Jun
2012
Inger-Maria Mahlke nimmt uns mit auf einen leerstehenden Dachboden. Dort lässt sie campinofarbene Flummis über den Holzboden hüpfen und rollen. Danach wäscht sie die Flummis ausgiebig in Seifenlauge, um sie anschließend so tief wie
Mo
18
Jun
2012
Die Videoporträts der KandidatInnen sind online. Und was fällt auf? Ein Großteil von ihnen hat beruflich mit Übersetzungen oder mit dem Theater (schreibend, inszenierend, unterrichtend) zu tun.
Es fällt aber noch etwas auf: Alle haben in irgendeiner Form mit einer Stube zu tun.
Sa
16
Jun
2012
Hoodies an und ab vor die Rechner!
Wir laufen uns jetzt ein bisschen warm für das Extreme-Zuhöring und -Zuschauing beim großen Klagenfurter Wettlesen. Helfen sollen uns dabei ein paar nüchterne, kalte Zahlen:
Do
14
Jun
2012
Tja, seit dem 15. Mai ist die KandidatInnen-Liste für den Bewerb in Klagenfurt bekannt. Und ich werde schon ganz nervös. Aber nicht wegen des Bewerbs selbst, sondern wegen der ungewohnten Ruhe im Vorfeld.
Sa
09
Jun
2012
Der Trainingstag heute steht ganz im Zeichen von Gelis Abschiedsvorstellung im „Figurella-Ladies-Fit“. Beim letzten Mal hat sie sich tadellos benommen, artig und fehlerfrei die Übungen absolviert und die dargebotenen Tätowierungen ausgesprochen diskret studiert. Darum mache ich mir heute keine großen Sorgen, dass sie durch etwaige Taktlosigkeiten mein Ansehen beschädigen und mich, die ich hier vertragsmäßig noch einige Monate turnen muss, als Ausgestoßene zurücklassen könnte.
Do
31
Mai
2012
Ich lasse mir ungern etwas einreden – am allerungernsten von Frauenzeitschriften. Dass ich den Flyer vom „Figurella-Ladies-Fit“ nicht sofort in die Papiertonne geworfen habe, steht also in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Titelthemen von „Brigitte“, „freundin“, etc., sondern geschah aus freiem Willen. Der hatte mich urplötzlich ermuntert, mir und meinem Körper eine Freude zu machen. Danke freier Wille, sage ich, vielleicht passt dann am Ende sogar noch das lavendelfarbene Leinenkleid, das ich mir letztes Jahr bestellt, aber leider noch nie getragen habe.
Fr
11
Mai
2012
Der Fortsetzungsroman "Ruhestand" ist in die Warteschleife gelegt worden, weil zwei andere "Walk-the-lines-Aktionen" dringlich drängen.
Worum es dabei geht, darf ich noch nicht verraten.
Pssst.
Mo
23
Apr
2012
10. März 2012
Hast du immer noch Rücken? Der Lebensmensch nickt und presst wie zur Bestätigung die Hand auf die Lende. Aber es ist doch Wochenende. Was soll das denn heißen? Na, dass jetzt Ruhe herrscht und kein Stress. Da fragt doch der Hexenschuss nicht nach, der hat kein Wochenende. Ach so, ja dann. Es ist nicht immer alles psychisch, ich habe einen Hexenschuss, einen ganz normalen Hexenschuss. Normal? Ja, normal wie jede andere Krankheit, die kommt und geht und in die man nicht etwas hineingeheimnissen muss.
Mi
11
Apr
2012
9. März 2012
Sie hat die Haare ab, sie hat die Haare ab, sie hat die Haare ab,
sie hat die Haare ab! Olé, olé-olé-olé! Bettina Wulff hat eine neue Frisur – das ist eine der am häufigsten vermeldeten Nachrichten zum Ereignis des gestrigen Zapfenstreiches. Frau Wulff hat sich
den alten Zopf abgeschnitten und tut damit kund, dass sie, was war, hinter sich lässt: Cut! Und auf zu neuen Ufern!
So
08
Apr
2012
Kaffeekränzchen à deux. In Ruhe Geschenke und Glückwunschkarten betrachten. Fröhliche Zufriedenheit mit einem Hauch kaum anzumerkender Enttäuschung. Der türkische Teekuchen erhält 10 Punkte. Fröhliche Zufriedenheit auch auf Seiten der Kuchenbäckerin. Kurz überlege ich, ob ich zur morgendlichen Pullover-Affäre noch etwas Zurechtrückendes anmerken sollte. Nein, besser nicht, denke ich und bin froh, dass der Lebensmensch jemand ist, der Übles nicht nachträgt. Im Gegensatz zu mir. Der Telefonreigen beginnt, der Hund und ich ziehen uns diskret zurück. Er macht die große Gartentour, bei der möglichst jeder Strauch markiert werden muss, und ich packe meine Schwimmsachen zusammen.
Fr
30
Mär
2012
8. März 2012
Geburtstagsständchen. Geschenkübergabe. Wohlgefallen. Und die Sonne scheint dazu. Kleines Frühstück. Albernheiten. Blick auf die Uhr. Ernst des Lebens. Und dann das.
Sa
24
Mär
2012
7. März 2012
Die Ente übt tapfer den aufrechten Gang. Ich schiebe trotzdem nochmal für sie die Garagentür hoch und fahr den Wagen vor. Der Hund rennt mit einem Socken im Maul durch die Küche und schüttelt ihn in Höchstgeschwindigkeit. Ich lass mich von der Machtdemonstration nicht weiter beeindrucken, räume den Frühstückstisch ab und hole mir aus dem Kühlschrank, was ich zum Backen des Geburtstagskuchens brauche. Schon wird die Schüttelei eingestellt, der Hund bezieht Posten vor dem geöffneten Kühlschrank und wartet auf ein Wunder, das Wunder eines plötzlichen Wurst- und Käseregens.
Mi
21
Mär
2012
6. März 2012
Gewappnet mit seinem tiefenwärmenden Rückengürtel watschelt der Pflichtbewusste in den Flur und bindet sich unter leisem Weh- und-Ach-Gestöhn die Schnürsenkel zu. Bemuttern hin oder her, ich schiebe ihm das Garagentor hoch und fahr schon mal den Wagen vor. Das wird wieder, sage ich aufmunternd, als ich der Ente den Schlüssel übergebe. Du hast gut reden, antwortet die Ente und quält sich hinters Lenkrad.
Sa
17
Mär
2012
Der Altkanzler Helmut Schmidt (94) sagt heute in der Bildzeitung, Christian Wulff (52) sei schon als Ministerpräsident von Niedersachsen zu jung gewesen und für das höchste Amt im Staate ganze zehn Jahre zu jung. Ich finde diese Aussage problematisch, weil sie uns Fünfzigjährige, die wir trotz unseres jungen Alters durchaus schon etwas auf die Reihe kriegen, allesamt diskreditiert und diskriminiert. Wäre ich die Bildzeitungsreporterin gewesen, ich hätte dem Nestor der deutschen Nachkriegssozialdemokratie widersprochen. Ich bin aber keine Bildzeitungsreporterin, und als ich mir das sage, durchflutet mich sogleich ein Glücksgefühl. Ein Glücksgefühl, das so stark ist, dass es meinen Ärger über die diskriminierende Aussage fast vollständig wegspült
Do
15
Mär
2012
5. März 2012
Offen gestanden, fällt es mir schwer, die aktuellen Meldungen, Forderungen, Empörungen und Meinungen, die sich am Wochenanfang allein im Internet vor mir auftürmen, wahrzunehmen, geschweige denn auszuwerten. Die Politiker treten, pragmatisch, wie Politiker zu sein haben, mit ganz unterschiedlichen Ehrensold-Lösungsmodellen hervor. Es kommt also etwas Konstruktives in die Debatte als immer nur Wut, Häme, Missgunst und Niedertracht.
Mo
12
Mär
2012
3. März 2012
Heute will ich mich einmal nicht mit der Causa Wulff beschäftigen. Es ist Samstag und der Frühling prescht vor. Nun bloß keine finsteren Gedanken!
So
11
Mär
2012
Als der Lebensmensch vom Tagewerk zurückkommt und Wochenende! ruft, zucke ich zusammen, weil ich ich an Tagewerk, neben ein paar dringenden Haushaltsverrichtungen und dem Schreiben böser Emails betreffs unseres neuen, nach drei Monaten einseitig ausgeleierten Sofas, nicht viel mehr vorzuweisen habe als stundenlanges Internetsurfen in Sachen Wulff.
Sa
10
Mär
2012
Völker hört die Signale, steht über dem Titelfoto der Frühstückszeitung. Kein Kampfruf ans lustige Völkchen der Rentner, Wassergymnastiker und Therapeuten, gegen die Ehrensold-Entscheidung endlich auf die Straße zu gehen, sondern die banale Überschrift zu einem für heute nun gar nicht erwartbaren Thema, wie der Plakatagitation in Nordkorea. Ansonsten nichts zur Meldung des vorgestrigen Tages, nicht mal eine 12-Zeilen-Notiz, auch das Feuilleton schweigt.
Sa
10
Mär
2012
In der Nacht träume ich, ich bin am Meer. Das reetgedeckte Hotel, in dem ich wohne, hat acht Sterne, die mich so einschüchtern, dass ich am liebsten in meiner Suite bleiben möchte. Aber der Hunger treibt mich raus. Am Frühstückbüfett steht eine blonde Frau, die mir aufmunternd zulächelt.
Sa
10
Mär
2012
29. Februar 2012
Aber was ist das schon gegen die Nachricht des Tages, sagt der Lebensmensch und schaut mich erwartungsvoll an, oder hast du das noch gar nicht mitgekriegt?
Was?
Er bekommt den Ehrensold.
Nein.
Fr
09
Mär
2012
29. Februar 2012
Aber was ist das schon gegen die Nachricht des Tages, sagt der Lebensmensch und schaut mich erwartungsvoll an, oder hast du das noch gar nicht mitgekriegt?
Zu Bayreuth Frau Salomé dachte,
die Peitsche, die Nietzsche mir brachte,
die probier ich jetzt aus,
Richard komm da mal raus,
koa Angst, ich schlag Dich nur ganz sachte.